Musik zur Sterbestunde Jesu Christi, Karfreitag, 25. März 2016

Erste und letzte Strophe des Heydenschen Passionslieds (Cantional oder Gesang-Buch Augsburgischer Confession, Leipzig 1645), © gemeinfrei

Erste und letzte Strophe des Heydenschen Passionslieds (Cantional oder Gesang-Buch Augsburgischer Confession, Leipzig 1645), © gemeinfrei

Zur Sterbestunde Jesu Christi am Karfreitag, 25. März um 15.00 Uhr erklingt die sogenannte „Große Passion“. Es handelt sich hier um alle 23 Strophen des Passionliedes von Sebaldus Heyden (Text) und Matthias Greiter (Melodie)  „ O Mensch, bewein dein Sünde groß“, welches auch heute noch in unserem Evangelischen Gesangbuch vertreten ist (EG 76), dort allerdings nur noch mit zwei Strophen. Dieses Lied ist eines der längsten Lieder unseres Gesangbuches.  In Reimform wird hier die ganze Passionsgeschichte erzählt. Eingerahmt wird diese gesungene Passion von den sogenannten „Lachrimae“, sieben Pavanen (alter, langsamer Schreittanz) des englischen Komponisten John Dowland für Blockflöte und Orgel. Ausführende sind Cornelia und Georg Popp. Der Eintritt zu dieser Musik ist frei.

Weitere Informationen zu der „großen Passion“

KOMMENTAR ZUM DEUTSCHEN TEXT

Es wurde gedruckt um  1525. Die Weise des Liedes ist die berühmte Melodie “ Es sind doch selig alle, die“ , welche Matthias Greiter zu seinem 119. Psalm dichtete im Jahr 1525.

Das Lied ist aus den Gesangbüchern seit dem 18. Jahrhundert verschwunden. Es ist komplett in einem Gesangbuch von Basel von 1721 abgedruckt, in dem man die 150 Psalmen des Ambrosius Lobwassers und eine Reihe lutherischer Lieder findet. Auch die französische Übersetzung, die von einem Anonymen stammt, steht im französischen Gesangbuch von Strassburg, „Cantiques Spirituels“(1723). In den späteren Ausgaben der „Cantiques Spirituels“ findet man das Lied nicht mehr. Dies zeigt, dass es in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Rationalismus verloren ging. Heute werden nur noch der erste und der letzte Vers gesungen: Recueil d’Alsace-Lorraine RA 78 und Evangelisches Gesangbuch EG 76.                                

Der dargebotene Text ist eine Revidierung der Urtexte, die, sowohl in deutsch wie in französisch, veraltet sind und nicht mehr gesungen werden können. Es wurde versucht, so nah wie möglich am Original zu bleiben, um den Charakter des Werkes des Sebaldus Heyden zu behalten, was einige Reimungleichheiten und die Kurzform vieler Wörter nach sich zieht.

Der Autor und der Musiker

Sebaldus Heyden wurde geboren in Brück,  bei Erlangen, in 1499, und starb in Nürnberg,  in 1561. Er war ein Laie und Pädagoge. In Nürnberg wurde er Kantor und Rektor der Spitalschule. Er war auch der erste  lutherischer Rektor der Sebaldusschule in dieser Stadt.   Das Lied, bekannt unter dem Namen: „Grosse Passion“, dessen genaues Datum nicht bekannt ist, wurde in der Zeit kurz nach 1525 gedichtet, da die Urmelodie jene von Greiter ist, aus dem Jahr 1525. 

Matthias Greiter, Dominikaner Mönch in Strassburg, wurde um 1490 in Aichach, bei Augsburg, geboren. Er bekam die Stelle eines Kantors am Straßburger Münster, verließ  1524  das  Kloster unter dem Einfluss der Reformation, heiratete, hatte Kinder und wurde Prediger in den Kirche St. Stephan und St. Martin. Er wurde einer der großen musikalischen Mitarbeiter der Reformatoren. Unter anderem arbeitete er am  „Straßburger Gesangbuch“ von 1542, unter der Leitung von Martin Bucer . Er komponierte die weltberühmte  Melodie zum Psalm 119: „Es sind doch selig alle, die“, welche Calvin in seinen „Aulcuns Psaulmes et Cantiques“ (herausgegeben in Strassburg 1539) aufgenommen hat. Matthias Greiter starb 1560 in Strassburg.

Die Lebensgeschichte der beiden Autoren zeigt schon, dass wir es hier mit einem großen Werk zu tun haben.

Die Quellen :

  1. Das Nizänische Glaubensbekenntnis, das damals und bis in das 18. Jahrhundert die Grundlage vieler Lieder war. Gut erkennbar ist der zweite Artikel im Vers 1: “ an Jesum Christum, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit,…, von der Jungfrau Maria, und ist Mensch geworden „. Die Fortsetzung: “ er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,  hat gelitten  und  ist begraben worden „,  legen Vers 2 bis 22 methodisch  aus. Im letzten Vers, erwähnt die Zeile „dass er für uns litt solche Pein“   das „propter nos homines“, “ für uns Menschen“ im Nizänum.
  2. Die Passionsgeschichte, als eine Harmonie der 4 Evangelien, nach der mittelalterlichen  Tradition,  die man auch  in den Liedern „Christus, der uns selig macht“, 8 Verse, EG 77 (der Text nicht in RA)  und „Jesu Kreuz, Leiden und Pein“, 10 Verse, RA 74 und EG 78,  findet.  Diese Lieder sind „Kleine Passionen“. Man las damals die Passionsberichte der vier Evangelien auf vier Tagen verteilt: Palmsonntag: Matthäus; Kardienstag: Markus; Karmittwoch: Lukas; Karfreitag: Johannes. Diese Tradition des Lesens, sowie des Singens der Passionsgeschichte, geht zurück auf das 3.Jhdt, schon damals mit Chören  und Solisten,  und wurde  von den Lutherischen Kirchen weitergeführt, wie  uns  das Beispiel von J. S. Bach es klassisch zeigt. Daher gibt es in vielen Gemeinden die Tradition der „Karfreitagsvesper“ um 15 Uhr, klassisch vermutete Zeit des Todes Jesu, in der man die Lesung der Passion hatte, jedes Jahr mit einem anderen Evangelium, mit  Gemeinde- und  Chorliedern zwischen den Lesungen.    

 

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