Konzert: Dritte und letzte Aufführung der "Matthäus-Passion" von Heinrich Schütz am Karfreitag

Konzert der St. Marien-Domkantorei: "Matthäus-Passion" von Heinrich Schütz in der Evangelischen Genezareth-Kirche in Erkner, © Karen Schubert

Kon­zert der St. Mari­en-Dom­kan­to­rei: "Mat­thä­us-Pas­si­on" von Hein­rich Schütz in der Evan­ge­li­schen Gene­za­reth-Kir­che in Erkner, © Karen Schu­bert

Am 24. März sang die St. Mari­en-Dom­kan­to­rei zwei Mal erfolg­reich die "Mat­thä­us-Pas­si­on" von Hein­rich Schütz. Sie war zunächst zu Gast in der Evan­ge­li­schen Gene­za­reth-Kir­che in Erkner, wo sie über­aus freund­lich emp­fan­gen wur­de, dann in der Evan­ge­li­schen Kir­che St. Ger­traut in Frankfurt/Oder. Hier zeig­te sich Kan­tor Ste­phan Hardt sehr erfreut, dass die gute Ver­bin­dung zwi­schen den Kir­chen und ihren Chö­ren in Fürs­ten­wal­de und Frankfurt/Oder wie­der ein­mal in einem Kon­zert mün­de­te. 

In bei­den Kir­chen wur­de die Auf­füh­rung des Kon­zer­tes begeis­tert auf­ge­nom­men und wie­der­holt die Mei­nung vom Publi­kum geäu­ßert, "so etwas noch nicht gehört zu haben".

Unter der Lei­tung von KMD Georg Popp, der gleich­zei­tig auch den Part des Evan­ge­lis­ten sang, waren die St. Mari­en-Dom­kan­to­rei und in wei­te­ren Rol­len ver­schie­de­ne Solis­ten zu hören: 

 

Wor­te Chris­ti: Paul-Sime­on Popp
Petrus: Cor­ne­lia Popp
Cai­phas: Ste­phan West­phal
Pila­tus: Mar­tin Kron­berg
Judas: Sabi­ne Benz
Magd 1: Sabri­na Bos­se-Neu­mann
Magd 2: Bir­git Nowak
Pila­ti Weib: Cor­ne­lia Popp 

Die "His­to­ria des Lei­dens und Ster­bens unse­res Herrn und Hei­lan­des Jesu Chris­ti nach dem Evan­ge­lis­ten Mat­thä­us", wie das Werk von Hein­rich Schütz mit voll­stän­di­gem Titel lau­tet, wird am Kar­frei­tag, dem 30. März 2018, zur Ster­be­stun­de Jesu Chris­ti um 15 Uhr im Dom St. Mari­en zu Fürstenwalde/Spree ein wei­te­res und letz­tes Mal zur Auf­füh­rung gebracht. 

Die­ses Werk aus der letz­ten Schaf­fens­zeit des Kom­po­nis­ten Hein­rich Schütz (1666) ver­tont aus­schließ­lich den Bibel­text (Mat­thä­us-Evan­ge­li­um, Kapi­tel 26 + 27). Er wird auf meh­re­re Per­so­nen ( = Soli­lo­quen­ten: Pila­tus, Cai­phas, Petrus, Judas, Knecht, Magd) und Per­so­nen­grup­pen (= Tur­bae-Chö­re: die Hohen­pries­ter, die Juden, das gan­ze Volk, die Kriegs­knech­te) ver­teilt.

Zwei Seiten aus dem Original der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz

Zwei Sei­ten aus dem Ori­gi­nal der Mat­thä­us-Pas­si­on von Hein­rich Schütz

©te Schütz-Autor Otto Brod­de bezeich­net die Art die­ser Kom­po­si­ti­on als „rezi­ta­ti­vi­sche Pas­si­on“, weil Schütz hier kei­nen der fest­ge­leg­ten Modell­tö­ne (wie bei ein­stim­mi­gem Psal­men­sin­gen) ver­wen­det, son­dern dem Text sich unter­ord­nend eine an Modell­tö­ne zwar ange­lehn­te, aber freie Melo­dik in rezi­ta­ti­vi­schem Stil, schafft. Die gan­ze Kom­po­si­ti­on ver­zich­tet auf Instru­men­te und wird rein a cap­pel­la gestal­tet. Die sehr kur­zen Chor­sät­ze (Tur­bae-Chö­re) deu­ten durch ihren Sprach­rhyth­mus stark den Text aus und stel­len dem rezi­ta­ti­vi­schen Stil der Soli­lo­quen­ten den motet­ti­schen Stil, oft in Form des Fuga­tos, gegen­über, so dass Brod­de von einer Motet­te in Kleinst­form spricht.

Die Bild­haf­tig­keit, sowohl in den Chor­sät­zen als auch in den Solo­par­ti­en, ist in der Mat­thä­us-Pas­si­on am deut­lichs­ten im Gegen­satz zu den bei­den ande­ren Pas­sio­nen aus­ge­ar­bei­tet.

Der Evan­ge­list Mat­thä­us stellt Chris­tus als den "Schöp­fer der neu­en Gemein­de" dar. Um sol­che grund­le­gen­den All­ge­mein­ver­bind­lich­kei­ten zu sym­bo­li­sie­ren, ver­wen­det Schütz die uni­ver­sel­le Ton­ar­ten­grup­pe, die in der Gabri­e­li-Schu­le die Mit­te der mög­li­chen Affekt­la­gen sym­bo­li­siert. Dem ent­spricht wie­der­um die Wahl des Tex­tes für den Schluss­chor, deren Mit­te das "… und herr­schest mit dem Vater dort in Ewig­keit" dar­stellt. Mit dem "Kyrie-elei­son" und dem Satz "… hilf uns armen Sün­dern zu der Selig­keit" bit­tet die christ­li­che Gemein­de um Hil­fe. 

Inhalt der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz (1585 — 1672)

Intro­itus : "Das Lei­den unsers Her­ren Jesu Chris­ti, wie es beschrei­bet der hei­li­ge Evan­ge­list Mat­thä­us"

Der Plan der Hohen­pries­ter und Ältes­ten  Mat­thä­us 26, 1–5
Die Sal­bung in Betha­ni­en Mat­thä­us 26, 6–13
Der Ver­rat des Judas Mat­thä­us 26, 14–16
Das Abend­mahl Mat­thä­us 26, 17–30
Die Ankün­di­gung der Ver­leug­nung des Petrus Mat­thä­us 26, 31–35
Jesus in Geth­se­ma­ne Mat­thä­us 26, 36–46
Jesu Gefan­gen­nah­me Mat­thä­us 26, 47–56
Jesus vor dem Hohen Rat Mat­thä­us 26, 57–68
Ver­leug­nung des Petrus Mat­thä­us 26, 69–75
Jesus vor Pila­tus. Das Ende des Judas Mat­thä­us 27, 1–14
Jesu Ver­ur­tei­lung und Ver­spot­tung Mat­thä­us 27, 15–30
Jesu Kreu­zi­gung und Tod Mat­thä­us 27, 31–56
Jesu Grab­le­gung Mat­thä­us 27, 57–61
Die Bewa­chung des Gra­bes Mat­thä­us 27, 62–66

Beschluss: "Ehre sei dir, Chris­te, der du lit­test Not, an dem Stamm des Kreu­zes für uns den bit­tern Tod, und herr­schest mit dem Vater dort in Ewig­keit: hilf uns armen Sün­dern zu der Selig­keit! Kyrie elei­son, Chris­te elei­son, Kyrie elei­son!

 

Wir laden Sie sehr herz­lich ein, die "Mat­thä­us-Pas­si­on" von Hein­rich Schütz am Kar­frei­tag im Fürs­ten­wal­der Dom zu hören und freu­en uns über Ihren Besuch in unse­rem herr­li­chen Dom St. Mari­en. 

Ein Ein­tritts­preis wird nicht erho­ben, den­noch bit­tet der Chor am Aus­gang um eine wohl­wol­len­de Spen­de, um die wei­te­re musi­ka­li­sche Arbeit der ver­schie­de­nen Chö­re im Dom zu unter­stüt­zen.

Bit­te haben Sie Ver­ständ­nis für unse­re Bit­te, am Ende die­ser Pas­si­ons­mu­sik nicht zu klat­schen. Der Inhalt und die tie­fe Wir­kung, die von die­ser Pas­si­ons­mu­sik aus­ge­hen kann, sol­len unge­stört nach­klin­gen kön­nen. 

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