Jubiläumskonzert: 20 Jahre Wiedereinweihung Dom St. Marien und 130 Jahre Domkantorei – der Vorverkauf hat begonnen

Jubiläumskonzert St. Marien-Domkantorei20 Jahre Wiedereinweihung Dom und 130 Jahre Domkantorei: das große Jubiläumskonzert läutet die „Haupt-Festzeit“ Oktober und November ein. Dieses große, oratorische Konzert beginnt am Samstag, 10. Oktober, 17.00 Uhr im Dom St. Marien zu Fürstenwalde und dauert ca. 1 ½ Stunden. Es werden von Felix Mendelssohn-Bartholdy die Kantate „Verleih’ uns Frieden gnädiglich“ und die Hymne „Hör’ mein Bitten“ sowie von Franz Schubert die große Messe  Es – Dur erklingen. Ein sehr großes Orchester wird Solisten und die Domkantorei begleiten.

Eintrittskarten im verbilligten Vorverkauf für dieses Konzert sind wieder im Getränkehaus Ludwig Mord, Mühlenstraße 17, 15517 Fürstenwalde noch bis zum 9. Oktober zu erhalten, sie kosten zwischen 13,- und 22,- Euro, ermäßigt um jeweils 4,- Euro. Restkarten werden an der Abendkasse, die im Nordanbau des Domes um 16.00 Uhr öffnet, verkauft.

Felix Mendelssohn Bartholdy, Aquarell von James Warren Childe, 1830, Quelle: Wikipedia

Felix Mendelssohn Bartholdy, Aquarell von James Warren Childe, 1830, Quelle: Wikipedia

Felix Mendelssohn-Bartholdy ist nicht nur als Komponist von Sinfonien, Instrumentalkonzerten und Kammermusik bekannt, sondern hat mit den beiden großen Oratorien Elias und Paulus, mit Kantaten, Motetten und Orgelwerken auch einen erheblichen Beitrag zur Kirchenmusik geleistet, wobei seine intensive Beschäftigung mit alter Musik und besonders mit Bachs Musik sicher Einfluss auf sein Schaffen genommen hat. Die am Anfang des Konzertes erklingende Kantate „Verleih uns Frieden“ begnügt sich mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln, was die Form und Länge der Komposition als auch ihre instrumentale und vokale Besetzung betrifft. Eingeleitet wird sie von einem wunderbare Ruhe ausstrahlenden Solo zweier Celli. Dreimal wird der bekannte Luthertext aufgenommen, nach und nach treten Chor- und Instrumentalstimmen hinzu. Beim dritten Mal erlebt die Steigerung ihren Höhepunkt, die drängende, unaufhörliche Bitte um den Frieden ergreift jeden und die Musik klingt dann so ruhig aus, wie sie begonnen hat.
Die Hymne „Hör’ mein Bitten“ komponierte Mendelssohn 1844 für ein englisches Publikum 1844 zunächst für Solosopran, Chor und obligate Orgel. Der Text ist eine Paraphrase des 55. Psalmes von William Bartholomew. 1847 instrumentierte Mendelssohn diese Fassung, deren Textübertragung ins Deutsche, so wird vermutet, er selber vornahm. In dieser zweiten Fassung war es ihm nun auch möglich, einzelne Textpassagen durch die Auswahl bestimmter Instrumente stärker als in der Orgelfassung hervorzuheben und dadurch den Text überzeugender auszulegen. So ist bei den Worten „…ich bin allein…“ die Bass-Stimme mit pizzicato bezeichnet, das Klarinettensolo kurz darauf mit seinen sich windenden chromatischen Konturen gibt den Sinngehalt der Worte „…ich irre ohne Pfad…“  vollendet wieder. Das Wort „drohn“ unterstreichen die Pauken eindrücklich, im weiteren Verlauf könnten aufsteigende Streicherfiguren in Achtelbewegung das Bild einer fliegenden Taube verdeutlichen.

Franz Schubert

Franz Schubert, Quelle: Wikipedia

Im Gesamtwerk Franz Schuberts nehmen die religiösen Kompositionen einen schmalen Raum ein. Die Es – Dur Messe ist eine Auftragskomposition des Vereins zur Pflege der Kirchenmusik der Kirchengemeinde Alsergrund. Im Frühjahr 1828 begann Schubert mit der Komposition in mehreren Etappen, im Sommer erfolgte die Niederschrift der Partitur. Erst ein Jahr nach seinem Tod, am 4. Oktober 1829, wurde diese Messe unter der Leitung seines Bruders Ferdinand in der Alserkirche aufgeführt. Den festgelegten Messetext hat Schubert geändert, vor allem im Gloria und Credo hat er Passagen ausgelassen. Vielleicht passten sie nicht in sein formales Kompositionskonzept, vielleicht widersprachen sie aber auch seiner persönlichen Glaubenshaltung.
Marcel Schneider schreibt in seiner Monographie, dass die einzelnen Sätze (Kyrie, Gloria….) mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Tempi wie die Sätze einer Symphonie empfunden werden können. „…Dank der Wiederholungen und der kontrapunktischen Verarbeitung des „Cum sancto spiritu“ hält das Gloria dem Credo an Länge und Bedeutsamkeit die Waage. Die sanfte Reinheit des Benedictus behauptet sich gegen die rhythmische Gewalt des Sanctus, und ebenso wird der Anfang des Agnus Dei in seiner düsteren Verzweiflung (es erinnert harmonisch an das Lied Der Doppelgänger) durch die melodische Schönheit und die heitere Kraft des „Dona nobis pacem“ aufgewogen. Wenn im leidenschaftlichen Aufruhr des Sanctus, mit seinen häufigen Modulationen, erregten Choreinsätzen, mit seinen keuchenden, nahezu abgerissenen Rhythmen, die Komposition ihren pathetischen Höhepunkt erreicht, so erklimmt sie gar im Credo, beim „Et incarnatus est“, den Gipfel Schubertscher Lyrik und gemahnt in der gesanglichen Intensität an die Hoffnung auf das ewige Heil. …“
Ergreifend sind die starken Kontraste und herben Wechsel auf vielfältigen Ebenen: lyrische und cantable Stellen (z.B. im Gloria und Agnus Dei) wechseln mit solchen ab, in denen stark akzentuierte, mit Wucht und Kraft vorgetragene Akkorde und Töne erklingen und dadurch wie musikalische „Schläge“ empfunden werden (so beim Domine Deus im Gloria und Agnus Dei am Anfang). Auch Dynamik (leise – laut), Modulationen (Veränderung der Tonarten auf manchmal kleinstem Raum) und Orchestrierung (vom zarten Klang der Streicher oder Holzbläser bis zum Tutti) spiegeln solche Gegensätze und plötzlichen Wechsel wider. In der Schlussfuge vom Gloria „Cum sancto spiritu“ erklingen mehrmals in den Unterstimmen (Tenor, Bass, Celli, Kontrabässe, Fagotte, Posaunen) vier lange aufeinanderfolgende Töne, die – würde man sie transponieren – die Tonnamen B A C H ergeben. Dies könnte, wenn auch in unscheinbarer Form, als eine Verehrung des Altmeisters Bach gedeutet werden.