Harmonisch in der Dissonanz

Harmonisch in der Dissonanz <br />© Kreiszeitung "Wesermarsch", KW 12/2014

© Kreis­zei­tung "Weser­marsch", KW 12/2014

Die Kreis­zei­tung "Weser­marsch" war so freund­lich, unse­rer Web­sei­te auf mei­ne Bit­te hin einen Arti­kel zur Ver­öf­fent­li­chung zur Ver­fü­gung zu stel­len, der in  der Print­aus­ga­be "Weser­marsch" der KW 12/2014 und online am 18.3.2014 erschie­nen ist. Berich­tet wird in die­sem Arti­kel unter der Über­schrift "Har­mo­nisch in der Dis­so­nanz" über das Abschluss­kon­zert der Nor­den­ha­mer Tas­ten­ta­ge, auf dem unser Kan­tor, KMD Georg Popp, ein Kon­zert gab, das vie­le Musik­lieb­ha­ber in die Ble­xer Kir­che lock­te.
Wir dan­ken der Redak­ti­on der Kreis­zei­tung "Weser­marsch" herz­lich für die Erlaub­nis, die­sen Arti­kel auf unse­rer Web­sei­te zu ver­öf­fent­li­chen.

Stadt Nor­den­ham

Har­mo­nisch in der Dis­so­nanz

Abschluss der 3. Nor­den­ha­mer Tas­ten­ta­ge – Vie­le Musik­lieb­ha­ber strö­men in die Ble­xer Kir­che

18.03.2014, 12:00 Uhr

Erschie­nen: 18.03.2014: KZW / 65 / Seite:10

Von Ulla Uden

Nor­den­ham. Auch in die­sem Jahr hat ein Orgel­kon­zert die Nor­den­ha­mer Tas­ten­ta­ge abge­schlos­sen. Mit Georg Popp, ehe­mals Kreis­kan­tor in Ble­xen und der­zeit Kan­tor am St.-Marien-Dom in Fürstenwalde/Spree, hat­ten die Ver­an­stal­ter offen­sicht­lich den rich­ti­gen Griff bei der Aus­wahl des Orgel­so­lis­ten gemacht – die Ble­xer Kir­che war gut gefüllt.

Nach bemer­kens­wer­ten Kon­zer­ten im Bereich der Klas­sik (Mari­na Bara­no­va), des Rock und Pop (Dono­van Aston) und des Jazz (Oli­ver Pop­pe Trio) schien es nur natür­lich, auch Tas­ten­mu­sik aus dem kir­chen­mu­si­ka­li­schen Bereich in einem geson­der­ten Kon­zert in den Blick­punkt zu set­zen.

Im Gepäck hat­te Georg Popp ein sti­lis­tisch sehr abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm, das rund 400 Jah­re umspann­te.

Mit der leben­di­gen und mit­rei­ßen­den Cho­ral­fan­ta­sie „Komm Hei­li­ger Geist, Her­re Gott“ aus den 18 Leip­zi­ger Cho­rä­len von Johann Sebas­ti­an Bach (1685– 1750) stieg der Kreis­kan­tor aus Fürs­ten­wal­de mit vol­lem Elan in das Kon­zert­ge­sche­hen ein. Mit gro­ßem Ges­tus und flüs­si­gem, kraft­vol­lem Orgel­spiel bewies Georg Popp gleich anhand des ers­ten Wer­kes, wie fas­zi­nie­rend Orgel­mu­sik sein kann.

Mit den alt­kirch­li­chen Hym­nen „Veni crea­tor spi­ri­tus“ und „O lux bea­ta tri­ni­tas“ von Ernst Pep­ping (1901–1981) spann­te er den direk­ten Bogen in das 20. Jahr­hun­dert.

Trotz eini­ger Dis­so­nan­zen wirk­ten die­se moder­nen Wer­ke in ihrem Cha­rak­ter har­mo­nisch und durch den dyna­mi­schen Kon­trast der Hym­nen tra­di­tio­nell.


Über­ra­schen­der Gesang


 

Im dar­auf­fol­gen­den Magni­fi­cat auf dem VI. Ton, kom­po­niert von Samu­el Scheidt (1587– 1654), über­rasch­te Georg Popp das Publi­kum durch Solo-Gesangs­pas­sa­gen, die er zwi­schen ein­zel­ne Orgel­par­ti­en ein­warf.

Mit drei kur­zen Orgel­cho­rä­len, op.135a, geschrie­ben von Max Reger (1873–1916), befand man sich sogleich wie­der in der Zeit der roman­ti­schen Musik. Hier nutz­te der Fürs­ten­wal­der die schö­nen Regis­ter der Orgel aus der St.-Hippolyt-Kirche. Beson­ders die wei­chen Block­flö­ten­klän­ge besta­chen in dem Cho­ral „Ach bleib mit dei­ner Gna­de“. Mit dem  Prä­lu­di­um, Fuge und Cia­co­na in C spiel­te Georg Popp ein leben­di­ges und kraft­vol­les Werk von einem der wich­tigs­ten Ver­tre­ter der nord­deut­schen baro­cken Orgel­schu­le, Diet­rich Bux­te­hu­de (1637–1707).

Hier galt es, schnel­le Läu­fe, sat­te Akkord­fol­gen und mit Tril­lern ver­zier­te beschwing­te Melo­di­en leben­dig zu gestal­ten und sou­ve­rän den voll­grif­fi­gen Final­cha­rak­ter her­aus­zu­stel­len.

Nicht nur die­ses gelang dem ehe­ma­li­gen Ble­xer Kreis­kan­tor, er setz­te die­sem furio­sen Ende die­ses Wer­kes noch den beson­de­ren Effekt eines sehr schö­nen Orgel-Wind­spie­les hin­zu.

Nach die­ser typisch nord­deut­schen baro­cken Orgel­kom­po­si­ti­on ent­führ­te Georg Popp das Publi­kum mit dem Menu­ett-Alle­gro- Menu­ett aus den „Stü­cken für Flö­ten­uhr“ in die Zeit der Emp­find­sam­keit. Ver­spielt, wit­zig und durch­sich­tig regis­triert schien hier immer wie­der das kam­mer­mu­si­ka­li­sche Ele­ment im Orgel­spiel im Vor­der­grund zu ste­hen.

Ganz im Gegen­satz dazu wirk­te die oft im Marsch­rhyth­mus und Fan­fa­ren­klang gehal­te­ne Kom­po­si­ti­on „Grand Coeur“ von César Franck (1822–1890) sehr mäch­tig und for­der­te am Ende einen wür­di­gen Final­cha­rak­ter, der gleich­sam auch als musi­ka­li­sches Ende des Orgel­kon­zer­tes die­nen soll­te. Doch lang­an­hal­ten­der Applaus brach­te dem Publi­kum noch die berühm­te Cho­ral­be­ar­bei­tung von „Jesu bleibt mei­ne Freu­de“ aus der Feder von Johann Sebas­ti­an Bach als Zuga­be.

Nach die­sem gut ein­stün­di­gen Kon­zert konn­ten die Ver­an­stal­ter der 3. Nor­den­ha­mer Tas­ten­ta­ge, Ste­fan Jaedt­ke von der Jahn­hal­le Nor­den­ham und die Goe­the-Gesell­schaft Nor­den­ham, stolz auf vier von ihnen orga­ni­sier­te, sehr gelun­ge­ne und anspruchs­vol­le Kon­zer­te zurück­schau­en.

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