Dom St. Marien


Dom Fürstenwalde - kriegszerstört und wiedereingeweiht 1995

St. Mari­en — Dom­ge­mein­de Fürstenwalde/Spree
Dom­platz 10
15517 Fürs­ten­wal­de / Spree
Tel.: (03361) 73560 50
Fax: (03361) 73560 60
E-Mail: domgemeinde.fuerstenwalde[at]ekkos.de

Der Dom ist täg­lich geöff­net von 10 bis 16 Uhr (im Win­ter bis 15 Uhr), Sonn­tags ab 11:30 Uhr.

Dom St. Marien mit südlichem Kapellenanbau von 1475, von Südost gesehen

Dom St. Mari­en mit süd­li­chem Kapel­len­an­bau von 1475, von Süd­ost gese­hen

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie umfang­rei­che Infor­ma­tio­nen zum Dom St. Mari­en in Fürs­ten­wal­de und sei­ner Geschich­te.

Der Dom St. Marien im Wandel der Zeiten

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Durch die Jahr­hun­der­te zieht sich eine Spur von Zer­stö­rung, Unglück und Krieg. Das trifft auch auf unse­ren St. Mari­en-Dom und auf sein Innen­le­ben zu, so auch auf sei­ne Orgeln. Und jedes­mal waren es der Mut und die Zuver­sicht der Über­le­ben­den und ihrer Kin­der, die sie befä­hig­ten, nach vorn zu sehen, anzu­pa­cken und  das Zer­stör­te wie­der auf­zu­bau­en.

Gründung der Stadt Fürstenwalde und Bischofssitz

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Fürs­ten­wal­de wird im Jahr 1272 erst­mals urkund­lich erwähnt, aller­dings ist anzu­neh­men, dass die Stadt schon frü­her, wahr­schein­lich bereits vor 1250 gegrün­det wur­de. Auf­grund ihrer Lage an der Spree ist die Stadt von nicht gerin­ger ver­kehrs­tech­ni­scher Bedeu­tung, denn ab hier ist die Spree nicht mehr befahr­bar, so dass Waren ver­la­den und auf dem Land­weg bis zur Oder oder wei­ter land­ein­wärts trans­por­tiert wer­den müs­sen. Die­sem Umstand ist es zu ver­dan­ken, dass Fürs­ten­wal­de rasch eine der wohl­ha­bends­ten Städ­te in der Mark Bran­den­burg wird.

Turm des Domes St. Marien

Turm des Domes St. Mari­en

Die eins­ti­ge Stadt­kir­che St. Mari­en wird im Jah­re 1385 vom Papst als Kathe­dral­kir­che bestä­tigt und so Sitz der Bischö­fe des Bis­tums Lebus, deren bis­he­ri­ge Kathe­dra­le in der Stadt Lebus 1373 durch Trup­pen Karls IV. zer­stört wird. Sie wäh­len daher fort­an lie­ber die volk­rei­che und gut befes­tig­te Stadt Fürs­ten­wal­de als ihren Sitz und wer­den auch seit 1385 im Fürs­ten­wal­der Dom bei­ge­setzt.

Bei einer Brand­schat­zung der katho­li­schen Stadt durch die Hus­si­ten, eine der ers­ten refor­ma­to­ri­schen Bewe­gun­gen, die sich auf den tsche­chi­schen Theo­lo­gen Jan Hus bezieht, wird die Kir­che im Jah­re 1432 zer­stört.

Am 12. April 1446 wird mit der Grund­stein­le­gung durch Bischof Johann VII. der Neu­bau in Form eines Domes begon­nen, des­sen Sil­hou­et­te seit­her die Stadt prägt. Die Kathe­dra­le erhält die Form einer drei­schif­fi­gen spät­go­ti­schen Hal­len­kir­che und wird auf  den  Grund­mau­ern der Stadt­kir­che erbaut.

Bemer­kens­wert ist — nicht nur wegen sei­ner Höhe — der Turm­bau. Der qua­dra­ti­sche Haupt­bau mit sei­nen 68 m hohen Poly­go­nal­tür­men wird etwa um 1470 fer­tig­ge­stellt. Zum Ver­gleich: Die Höhe bis zum Dach­first beträgt 38 m.

Sakramentshaus und Altar im Dom St. Marien

Sakra­ments­haus und Altar im Dom St. Mari­en

1475 lässt Bischof Fried­rich Ses­sel­mann einen Kapel­len­an­bau an der Süd­sei­te des Domes errich­ten. (Hier haben heu­te die Kin­der und Jugend­li­chen der Gemein­de ihr Domi­zil. Im Nord­an­bau hin­ge­gen befin­den sich das Dom­bü­ro, die Neue Sakris­tei und die Dom­bi­blio­thek.)

Im Innern des Domes befin­det sich das ältes­te Bau­werk der Stadt Fürs­ten­wal­de: das auf das Jahr 1517 datier­te, frei ste­hen­de, 12,50 m hoch auf­ra­gen­de Sakra­ments­haus. Die­se spät­go­ti­sche Turm­py­ra­mi­de aus Sand­stein ist von reichs­ter Detail­bil­dung mit figür­li­chem Schmuck und besteht aus einem Fuß mit 4 Stock­wer­ken. Das Sakra­ments­haus wird im Jah­re 1517 vom Bischof Diet­rich von Bülow gestif­tet. Eben­falls im Dom zu fin­den ist das Grab­mal des Bischofs von Bülow, das nach sei­nem Tod 1523 geschaf­fen wird. Bei­de Aus­stel­lungs­stü­cke sind mit der Signa­tur "FHM" ver­se­hen.

1528 plün­dert der Raub­rit­ter Nickel von Minck­witz mit sei­nen Trup­pen den Dom. 1555 ver­stirbt mit Bischof Johann VIII. Hor­ne­burg der letz­te katho­li­sche Bischof von Lebus.

Wäh­rend Bischof von Bülow sei­nen Dom­her­ren 1557 nach Wit­ten­berg sen­det, um "Kun­de über die Luthe­ri­sche Ket­ze­rei ein­zu­zie­hen", ist der neue Kur­fürst Joa­chim II. eher der Refor­ma­ti­on zuge­neigt. So fin­det am 11. April 1557 im Bei­sein des Kur­fürs­ten Joa­chim II. und sei­nes Bru­ders Hans von Küs­trin als Mark­graf der Neu­mark der ers­te evan­ge­li­sche Got­tes­dienst im St. Mari­en-Dom statt.

Im Lau­fe der Jahr­hun­der­te wird der Dom wegen Zer­stö­run­gen, Brand und Bau­fäl­lig­keit immer wie­der umge­stal­tet. In den Anna­len der Stadt haben sich nur weni­ge Auf­zeich­nun­gen erhal­ten. Sicher ist jedoch, dass Fürs­ten­wal­de 1631 von den Schwe­den erobert wird.

Dominneres von 1771 bis 1908 mit flacher Stuckdecke

Domin­ne­res von 1771 bi 1908 mit fla­cher Stuck­de­cke

1769 über­trägt Fried­rich II. dem Ober­land­bau­di­rek­tor Johann Bou­mann d. J. die Instand­set­zung des Domes. Das goti­sche Gewöl­be wird voll­stän­dig abge­bro­chen und durch eine ver­schal­te Gips­de­cke mit Roko­ko-Roset­ten geschmückt, die bis 1908 im Dom ver­bleibt. Im nörd­li­chen Schiff wird eine drit­te Empo­re ange­bracht und alles, was noch an Gotik zu fin­den war, ver­nich­tet.

Der Umbau wird mit einer Wei­he am 14. August 1771 abge­schlos­sen.

1844 weilt Fried­rich Wil­helm IV. in Fürs­ten­wal­de und besich­tigt auch den Dom. Dies beför­dert schein­bar sei­ne gründ­li­che Erneue­rung, die jedoch erst 1855/56 zu einer  inne­ren Restau­ra­ti­on des Domes  und der Repa­ra­tur des schad­haf­ten Turms führt.

Wiederherstellung der St. Marien-Domes, 1909

Wie­der­her­stel­lung der St. Mari­en-Domes, 1909

Im Jah­re 1900 wird ein "Reno­va­tions-Bau­fond" gegrün­det und 1908 mit dem Umbau zur Wie­der­her­stel­lung des Fürs­ten­wal­der Domes begon­nen. Am 31. Okto­ber 1910 kann der St. Mari­en-Dom nach zwei­ein­halb­jäh­ri­gem Umbau (ohne jeden Unfall bei den Arbei­ten) ein­ge­weiht wer­den.
Wie­der­her­stel­lungs­ent­wür­fe aus dem Jahr 1905 (u.a unte­rer Grund­riss, Empo­ren­grund­riss, Schnitt des nörd­li­chen Vor­baus sowie Innen­rauman­sich­ten vor der Wie­der­her­stel­lung) sind auf den Sei­ten des Archi­tek­tur­mu­se­ums der TU Ber­lin zu fin­den.

Dominneres 1910

Domin­ne­res 1910

Das Ergeb­nis des Domum­baus, voll­endet mit sei­ner Ein­wei­hung im Okto­ber 1910, beschrei­ben zeit­ge­nös­si­sche Quel­len wie folgt: "… Zwar ist der Barock­turm geblie­ben, aber die vie­len Stil­wid­rig­kei­ten im Aeu­ßern wie um Innern sind geschwun­den. Die gan­ze Reno­va­ti­on der Kir­che ist von dem Gedan­ken getra­gen gewe­sen, den hohen geschicht­li­chen wie künst­le­ri­schen Wert des Gebäu­des zu wah­ren. … So steht nun der mäch­ti­ge Bau wie­der in neu­er Schön­heit da. Man darf hof­fen, dass ein Jahr­hun­dert mit sei­nen Gene­ra­tio­nen vor­über­ge­hen wer­de, ehe der Dom­raum wider­hallt von der Hand­wer­ker Tätig­keit."

Lei­der hat sich die­ser Wunsch nicht bewahr­hei­tet und schon deut­lich vor Ablauf eines Jahr­hun­derts hallt der Dom­raum von ganz ande­ren, schreck­li­chen Geräu­schen wider.

Kanzelaltar 1910

Kan­zel­al­tar 1910

Am 16. April 1945 beginnt früh­mor­gens die Oder-Offen­si­ve.

Am Abend des glei­chen Tages wird der Dom­turm von einem Flug­zeug beschos­sen, wobei ein Brand ent­steht, der sich auf den Orgel­pro­spekt, das Gestühl und die Turm­stu­be der Biblio­thek aus­brei­tet. In der fol­gen­den Nacht wird das Hal­len­schiff des Domes zum größ­ten Teil zer­stört, nach­dem eine Luft­mi­ne in der Nähe des Haupt­al­tars ein­schlägt. Am 18. April 1945 stürzt der Turm des Domes ein, am Fol­ge­tag schließ­lich fällt das Dom­ge­wöl­be in sich zusam­men.

Der Dom ist ein ein­zi­ger Trüm­mer­hau­fen.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach der Zerstörung (der Schutt wurde seit Oktober 1945 beräumt)

Nach der Zer­stö­rung (der Schutt wur­de seit Okto­ber 1945 beräumt)

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Bald nach Kriegs­en­de begin­nen Gemein­de­mit­glie­der der St. Mari­en-Dom­ge­mein­de den Dom zu ent­trüm­mern. Anfangs mit blo­ßen Hän­den und einer Schub­kar­re. Got­tes­diens­te fin­den statt, Chor­mu­sik hält wie­der ihren Ein­zug in ein Gebäu­de ohne Dach, mit zer­stör­ten Wän­den, zer­stör­tem Altar und ver­brann­ter Orgel.

Das Amt für Denk­mal­pfle­ge teilt dem Gemein­de­kir­chen­rat im Okto­ber 1946 im Ergeb­nis ihrer Besich­ti­gung der Kriegs­schä­den des Domes u.a. fol­gen­des mit: "Von der Kir­che ste­hen nur noch der Turm und die drei west­li­chen Joche mit den ent­spre­chen­den Pfei­lern, Gurt­bö­gen und Außen­mau­ern, die Anbau­ten an der Nord- und Süd­sei­te und das Unter­ge­schoß des älte­ren, bei dem Umbau in der Barock­zeit in sei­ner goti­schen Form erhal­ten geblie­be­nen zwei­stö­cki­gen Anbaus an der Nord­sei­te, die sogen. Kryp­ta. Das Ober­geschoß, der ehe­ma­li­ge Büche­rei­raum und spä­te­re Mari­en­dom­ka­pel­le, ist zum größ­ten Teil zer­stört. Die Gewöl­be über der soge­nann­ten Kryp­ta sind erhal­ten; dage­gen ist der öst­li­che Teil des Kir­chen­schif­fes mit dem poly­go­na­len Chor­um­gang bis zur Sol­bank der Chor­fens­ter voll­kom­men zer­stört. Die Stre­be­pfei­ler an der Süd­sei­te die­ses Tei­les sind eben­falls zer­stört, so daß der rest­li­che Mau­er­teil der Außen­mau­ern voll­kommen aus dem Lot steht und bei etwai­gem Wie­deraufbau von unten auf wie­der neu auf­ge­baut wer­den muß. Auch die Pfei­ler in die­sem öst­li­chen Teil sind bis auf zwei sehr beschä­dig­te voll­kom­men zer­stört. Die Dächer über dem Kir­chen­schiff und allen Anbau­ten sowie die Hau­be über dem Turm sind voll­kom­men ver­nich­tet…"

Domruine

Dom­rui­ne

Und doch fin­den sich schon zu die­sem Zeit­punkt Men­schen, die sagen: „Die­sen Dom bau­en wir wie­der auf." Es sind sicher nicht vie­le, die zu die­sem Zeit­punkt dar­an glau­ben.

Es gehen Jah­re dahin in einer Gesell­schafts­ord­nung, die sich nicht gera­de durch Kir­chen­freund­lich­keit aus­zeich­net. Und doch, am 16. Dezem­ber 1956 läu­ten die Glo­cken in den wie­der­her­ge­stell­ten Dom­tür­men.

Richtkrone zum Richtfest am 8. Dezember 1965

Richt­kro­ne zum Richt­fest am 8. Dezem­ber 1965

Der Beschluss zum kom­plet­ten Wie­der­auf­bau des Domes wird im Sep­tem­ber 1959 im Gemein­de­kir­chen­rat gefasst.

1962 wird mit der Holz- und Außen­rüs­tung am Süd­ost­bo­gen begon­nen und die eigent­li­chen Mau­rer­ar­bei­ten neh­men ihren Lauf. 1963 neh­men auch die Zim­mer­leu­te die Arbeit am Dom auf. Nach­dem Ende 1965 ein Ring­an­ker instal­liert und die kom­plet­te Mon­ta­ge des Stahl­da­ches been­det ist, wird Richt­fest gefei­ert. Am 4. Juli des fol­gen­den Jah­res wird die Fer­tig­stel­lung des Daches mit den Wor­ten "Seg­ne, Gott, dies Werk unse­rer Hän­de!" abge­schlos­sen.

Dombaubeauftragter Sup. i.R. Günter Kuhn im März 2013 an seinem Lieblingsplatz im Dom: vor dem Epitaph des Bischofs Dietrich v. Bülow

Dom­bau­be­auf­trag­ter Sup. i.R. Gün­ter Kuhn im März 2013 an sei­nem Lieb­lings­platz im Dom: vor dem Epi­taph des Bischofs Diet­rich v. Bülow

Im Mai 1986 beschließt die Kir­chen­lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che in Ber­lin-Bran­den­burg unter Vor­sitz von Bischof Dr. Gott­fried Forck und dem Kon­sis­to­ri­al­prä­si­den­ten Dr. Man­fred Stol­pe den Wie­der­auf­bau des Domin­ne­ren.

Genau ein Jahr spä­ter ver­ab­schie­det der Gemein­de­kir­chen­rat die Ord­nung der Dom­bau­hüt­te, die ihre Arbeit unter Lei­tung des Dom­bau­be­auf­trag­ten Sup. i.R. Gün­ter Kuhn im Juni 1988 auf­nimmt.

Mitarbeiter der Dombauhütte beim Wiederaufbau, 1995

Mit­ar­bei­ter der Dom­bau­hüt­te beim Wie­der­auf­bau, 1995

Nach Jah­ren des Pla­nens und der Mühe und flei­ßi­ger Arbeit wur­de der Dom wie­der rich­tig leben­dig.

Im Innern wur­de ein moder­nes Gemein­de­zen­trum gebaut, ein neu­er (alter) Barock­al­tar hielt Ein­zug, eine klei­ne neue Orgel, von der Fir­ma Sau­er aus Frankfurt/Oder gebaut, erhebt neben der gro­ßen Dom­or­gel ihre Stim­me zum Lob Got­tes.

Bewusst hat man die Spu­ren der Zer­stö­rung als Frag­men­te gelas­sen. Das Sakra­ments­haus wur­de 1942 ummau­ert und so vor der Zer­stö­rung bewahrt. Im hin­te­ren Teil des Schif­fes,  also in die West­hälf­te des his­to­ri­schen Bau­kör­pers, wur­den archi­tek­to­nisch gekonnt im Erd­ge­schoss und den Empo­ren funk­tio­na­le Gemein­de­räu­me durch Glas abge­trennt. Trans­pa­rent und licht las­sen die gro­ßen Glas­wän­de jeder­zeit einen Blick in das Kir­chen­schiff zu und ver­bin­den so ein­zig­ar­tig die Zeug­nis­se der Ver­gan­gen­heit mit den Erfor­der­nis­sen der Moder­ne, ohne die Wun­den der Geschich­te zu über­de­cken. Der impo­san­te Barock­al­tar stammt aus der jetzt als Biblio­thek genutz­ten Fran­zis­ka­ner­kir­che in Jüter­bog (mehr dazu wei­ter unten).

Her­vor­zu­he­ben sind die vie­len Spen­den durch Pri­vat­per­so­nen, die zum Wie­der­auf­bau des Domes nach dem Krieg bis hin zu sei­ner Wie­der­ein­wei­hung im Okto­ber 1995 erheb­lich bei­tru­gen.

Die Wiedereinweihung des Domes

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Am Refor­ma­ti­ons­tag, 31. Okto­ber 1995 konn­te der Fürs­ten­wal­der Dom St. Mari­en nach unend­li­chen Mühen und Opfern wie­der ein­ge­weiht wer­den. Was sich die Dom­ge­mein­de in den lan­gen Auf­bau­jah­ren und ganz beson­ders in den letz­ten  9 Jah­ren des Wie­der­auf­bau­es erhoff­te, ist in vol­lem Maße ein­ge­trof­fen. Die Ver­bin­dung weni­ger alter erhal­te­ner Tei­le mit moder­nen Bau­ele­men­ten ist bes­tens gelun­gen. Vie­le tau­send Besu­cher, die allein schon im ers­ten Jahr nach der Wie­der­ein­wei­hung durch die­ses Haus gin­gen, vie­le Grup­pen, die Füh­run­gen mit­er­leb­ten, konn­ten sich davon über­zeu­gen, waren und sind des Lobes voll.

Die Gemein­de erhielt eine wür­di­ge Got­tes­dienst­stät­te. Die zahl­rei­chen Gemein­de­krei­se kön­nen in räum­lich güns­ti­ge­ren Ver­hält­nis­sen arbei­ten. Got­tes­dienst­be­such und Besuch der Gemein­de­krei­se nah­men sicht­lich zu, neue Akti­vi­tä­ten ent­stan­den und ganz schnell hat­te sich ein Per­so­nen­kreis gefun­den, der den Auf­sichts­dienst im täg­lich geöff­ne­ten Dom über­nahm.

Der Dom St. Marien von seiner Wiedereinweihung bis heute

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Bun­des­weit ist der Dom inzwi­schen durch Tagun­gen kirch­li­cher Gre­mi­en, durch Eröff­nungs­got­tes­diens­te von Groß­ver­an­stal­tun­gen, durch den Fern­seh­got­tes­dienst des ZDF Ostern 1997 ins Blick­feld gera­ten, und wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen die­ser Art wer­den fol­gen. Aber auch außer­kirch­lich war der Fürs­ten­wal­der Dom begehr­ter Ort für Tagun­gen, Fei­ern, Kon­zer­te und ande­re kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen. Aus­stel­lun­gen ver­schie­dens­ter Art fan­den im Dom ihren Platz.

Blick in das Kirchenschiff mit seinen modernen, sich harmonisch einpassenden Einbauten

Blick in das Kir­chen­schiff mit sei­nen moder­nen, sich har­mo­nisch ein­pas­sen­den Ein­bau­ten

Zu Gast waren inzwi­schen vie­le füh­ren­de Per­sön­lich­kei­ten aus Kir­che, Poli­tik und Wirt­schaft, so auch der dama­li­ge Bun­des­prä­si­dent Roman Her­zog, um nur einen aus der lan­gen Lis­te zu nen­nen. Natür­lich pro­fi­tier­te auch die Kir­chen­mu­sik der Dom­ge­mein­de, die sich in der Nach­kriegs­zeit bis zur Domein­wei­hung trotz äußerst ungüns­ti­ger Umstän­de und wid­ri­ger Platz­ver­hält­nis­se zu erstaun­li­cher Grö­ße und Qua­li­tät ent­wi­ckelt hat­te. Im wie­der­erstan­de­nen Dom bekam sie nun ein­ma­lig schö­ne und geeig­ne­te Pro­ben­räu­me, kann in den Kon­zer­ten viel mehr Hörern Platz gebo­ten wer­den, muß man für Auf­füh­run­gen gro­ßer Wer­ke kei­ne ande­ren Kir­chen mehr in Anspruch neh­men. So konn­te sie gefes­tigt, erwei­tert und aus­ge­baut wer­den. Eine Gemein­de, eine Stadt, eine gan­ze Regi­on sind stolz auf ihren Dom und iden­ti­fi­zie­ren sich mit ihm.

Am 31. Okto­ber 2005 weih­te Bischof Huber die von der Fir­ma Schu­ke aus Pots­dam erbau­te und rein aus Spen­den­mit­teln finan­zier­te gro­ße Dom­or­gel ein, über die wei­te­re, inter­es­san­te Infor­ma­tio­nen auf die­ser Sei­te zu fin­den sind.

Der Dom St. Mari­en ist ein Anzie­hungs­punkt für Tou­ris­ten (hier: Fürs­ten­wal­der Tou­ris­mus­ver­ein e.V.) und Geschichts­in­ter­es­sier­te. Im Juni 2010 konn­te der geschäfts­füh­ren­de Pfar­rer Mar­tin Haupt den 400 000. Besu­cher seit der Wie­der­ein­wei­hung im Dom zu Fürs­ten­wal­de begrü­ßen.

Weitere Informationen zur Innenausstattung des Domes St. Marien

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In den fol­gen­den Abschnit­ten fin­den Sie wei­te­re, detail­lier­te Infor­ma­tio­nen zu fol­gen­den Aspek­ten der Innen­aus­stat­tung des Domes St. Mari­en:

Das Sakramentshaus des Domes — ein Werk des Bildhauers Franz Maidburg

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Das Sakramentshaus nach einer Zeichnung von Gilly

Das Sakra­ments­haus nach einer Zeich­nung von Gil­ly

Im Jah­re 1989 wur­de das Sakra­ments­haus des Domes, laut Inschrift 1517 voll­endet bzw. auf­ge­stellt, von sei­ner Umman­te­lung befreit, die es vor der Ver­nich­tung im Krieg bewahrt hat­te. Eine sorg­fäl­ti­ge Restau­rie­rung hat es seit­dem wie­der instand­ge­setzt.

Spitze des Sakramentshauses

Spit­ze des Sakra­ments­hau­ses

Die lan­ge Zeit im Ver­bor­ge­nen ließ das gra­zi­le, einer Turm­mons­tranz ver­gleich­ba­re Werk in sei­nem künst­le­ri­schen Stel­len­wert nahe­zu in Ver­ges­sen­heit gera­ten, obwohl es bereits in der ers­ten Pha­se der Wie­der­ent­de­ckung der mit­tel­al­ter­li­chen deut­schen Kunst die Bewun­de­rung des gro­ßen Ber­li­ner Archi­tek­ten Fried­rich Gil­ly (1772–1800) auf sich gezo­gen hat­te. Die­ser hielt es in einer Feder­zeich­nung fest.

Die 12 m hohe Turm­ar­chi­tek­tur, die sich in ihrer eins­ti­gen Dis­po­si­ti­on frei­ste­hend inner­halb der Chorar­ka­den auf der Nord­sei­te des Dom­cho­res erhob, zeich­net sich durch vir­tu­os gebil­de­tes, fili­gran auf­sprie­ßen­des Glie­der­werk, die Aus­schmü­ckung bis in die obe­ren Geschos­se mit qua­li­tät­voll gear­bei­te­ten Figu­ren und einem reich und leben­dig gestal­te­tem Laub­werk aus — eine wun­der­ba­re dür­er­zeit­li­che, auf Ita­li­en ver­wei­sen­de Erfin­dung die Mut­ter­got­tes mit dem schla­fen­den Kind. Um den Stil der Skulp­tur zu cha­rak­te­ri­sie­ren, wur­de sogar der Name Til­man Rie­men­schnei­ders ins Spiel gebracht. Ein sol­cher Hin­weis ist kei­nes­wegs falsch, denn der Schöp­fer der Bild­wer­ke in Fürs­ten­wal­de zeigt eine ähn­li­che sub­li­me Ober­flä­chen­be­hand­lung des Steins, wie sie von dem Würz­bur­ger Bild­hau­er ist.

Sakramentshaus heute

Sakra­ments­haus heu­te

Auf den Namen des Künst­lers, Bild­hau­er wie Archi­tekt wohl in einer Per­son, deu­tet das Mono­gramm FHM am Sockel des Sakra­ments­hau­ses hin, das mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit in Franz Maid­burg auf­zu­lö­sen ist. Ähn­lich gebil­de­te Initia­len fin­den sich auf zwei Reli­efs, Abend­mahl und Ölberg, im Schnüt­gen-Muse­um in Köln, die von dem bei der Baro­cki­sie­rung des Cho­res abge­ris­se­nen Sakra­ments­haus des dor­ti­gen Domes stam­men. Franz Maid­burg war offen­sicht­lich auch der Urhe­ber die­ses als „Welt­wun­der" — „mira­cu­lum mun­di" — gerühm­ten Werks.

Das Sakramentshaus aus ungewöhnlicher Perspektive

Das Sakra­ments­haus aus unge­wöhn­li­cher Per­spek­ti­ve

Maid­burg ist in sei­ner Bedeu­tung noch immer unzu­rei­chend gewür­digt, obwohl er zu den her­aus­ra­gen­den Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten der Dür­er­zeit gezählt wer­den muss. Der Name legt eine Her­kunft bzw. frü­he selb­stän­di­ge Tätig­keit in Mag­de­burg nahe. Im zwei­ten Jahr­zehnt des 16. Jahr­hun­derts taucht der Bild­hau­er in den wirt­schaft­lich wie künst­le­risch auf­blü­hen­den Berg­werks­städ­ten Ober­sach­sens auf: Eine ihm zuge­schrie­be­ne, ganz auf Rie­men­schnei­der zurück­ver­wei­sen­de Madon­na in der Annen­ka­pel­le des Frei­ber­ger Domes ist an der Kon­so­le 1513 datiert — von ihm und sei­nen Mit­ar­bei­tern stam­men die Reli­efs, etwa 100 an der Zahl, an den Empo­ren der St. Annen­kir­che in Anna­berg. Doch nicht das Groß­pro­jekt um 1520 in Anna­berg ver­mag den Qua­li­täts­maß­stab zu set­zen, an dem sich der künst­le­ri­sche Rang Franz Maid­burgs mes­sen lässt: Hier sind allein die Res­te des Sakra­ments­hau­ses in Köln und jenes in Fürs­ten­wal­de auf­schluss­reich, das zu den Spit­zen­leis­tun­gen auf dem Gebiet der Klein­ar­chi­tek­tur des aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ters zu rech­nen ist — ein Haupt­werk süd­deut­scher Prä­gung zu Beginn des 16. Jahr­hun­derts im nord­deut­schen Raum und von daher in einem Atem­zug mit dem Bor­des­hol­mer Reta­bel Hans Brüg­ge­manns, den Güs­tro­wer Apos­teln Claus Bergs und der Gos­la­rer Pie­tä des Hans Wit­ten von Köln zu nen­nen.

Aus­schmü­ckung im Mittelteil mit qua­li­tät­voll gear­bei­te­ten Figu­ren

Aus­schmü­ckung im Mit­tel­teil mit qua­li­tät­voll gear­bei­te­ten Figu­ren

Das Fürs­ten­wal­der Sakra­ments­haus ist viel­leicht die per­sön­li­che Stif­tung eines in jener Zeit bedeu­ten­den bran­den­bur­gi­schen Kir­chen­man­nes, des Lebu­ser Bischofs Diet­rich von Bülow (Regie­rungs­zeit 1490–1523), Mit­be­grün­der der Via­d­ri­na, der Frank­fur­ter Uni­ver­si­tät. Des­sen huma­nis­ti­schem Bil­dungs­ni­veau ent­spricht ver­mut­lich auch die Wahl eines außer­ge­wöhn­li­chen, „moder­nen" Künst­lers für den mit einem hohen Anspruch ver­bun­de­nen Auf­trag in Fürs­ten­wal­de, eines Bild­hau­ers, der kei­nes­wegs in der Nähe ansäs­sig war. Von nicht gerin­ge­rer Bedeu­tung als das Sakra­ments­haus ist das benach­bart an der Chor­au­ßen­wand auf­ge­stell­te Epi­taph Diet­richs, das ihn in der Anbe­tung des Gekreu­zig­ten — eine der ein­drucks­volls­ten For­mu­lie­run­gen des The­mas in die­ser Zeit — zeigt und an dem unlängst eben­falls das auf Maid­burg ver­wei­sen­de Mono­gramm ent­deckt wor­den ist. (Verf. Dr. Hart­mut Krohm)

Das Sandsteinepitaph für Bischof Dietrich von Bülow

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Dem am 1. Okto­ber 1523 ver­stor­be­nen Stif­ter des Sakra­ments­häus­chens, dem gelehr­ten Prä­la­ten Diet­rich v. Bülow, Bischof zu Lebus, wid­me­te der Schöp­fer des Sakra­ments­häus­chens, der ober­säch­si­sche Stein­bild­hau­er Franz Maid­burg eine Grab­plat­te, die in ihrer künst­le­ri­schen Voll­endung sei­nem Meis­ter­wer­ke, dem Sakra­ments­häus­chen, in kei­ner Wei­se nach­steht.

Die lebens­gro­ße Figur des Ver­stor­be­nen in streng goti­schem Duk­tus mit bis ins Detail por­trä­tier­ten Gesichts­zü­gen kniet vor dem Gekreu­zig­ten, der in sei­ner Gestal­tung bereits die For­men der begin­nen­den Renais­sance zeigt.

Sandsteinepitaph des Bischofs v. Bülow

Sand­stei­n­epi­taph des Bischofs v. Bülow

Die ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­te sind nicht spur­los an die­ser schö­nen Grab­plat­te vor­über gegan­gen. Gra­vie­ren­de Ver­lus­te an den Armen des Schmer­zens­man­nes, an der Mitra und Nase des Bischofs sowie am bischöf­li­chen Wap­pen deu­ten auf gewalt­sa­me Beschä­di­gun­gen in alter Zeit hin. 1910, im Rah­men einer umfang­rei­chen Reno­vie­rung des Domes wur­den die­se Fehl­stel­len mit den zu jener Zeit gebräuch­li­chen Mate­ria­li­en rekon­stru­iert und die gesam­te Grab­plat­te mit einem hell­grau­en Anstrich ver­se­hen.

Die heu­ti­ge Restau­rie­rung setzt ihren Schwer­punkt auf die Abnah­me des grau­en Anstrichs von 1910 und die Erhal­tung der vor­han­de­nen Fas­sungs­res­te. Die Fül­le der noch unter die­sem Anstrich vor­han­de­nen Fas­sungs­frag­men­te von 1523 ver­mit­telt uns einen umfas­sen­den Ein­druck der gemäl­de­haf­ten Far­big­keit der Grab­plat­te.

Des wei­te­ren wur­den alle Gip­ser­gän­zun­gen der Restau­rie­rung von 1910 mit ihren stark kor­ro­dier­ten Eisen­ar­mie­run­gen ent­fernt und durch Rekon­struk­ti­on in der dem Ori­gi­nal ange­pass­ten Lini­en­füh­rung der Ergän­zun­gen von 1910 in einem dem Sand­stein adäqua­ten Ergän­zungs­ma­te­ri­al ohne Armie­run­gen ersetzt. (Verf. Klaus Kru­pin­ski)

Der Barockaltar

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Der Barockaltar - eine Dauerleihgabe aus der Mönchenkirche Jüterbog

Der Barock­al­tar — eine Dau­er­leih­ga­be aus der Mön­chen­kir­che Jüter­bog

Auf Grund der Zer­stö­run­gen im 2. Welt­krieg war im Fürs­ten­wal­der Dom kein Altar mehr vor­han­den. Der heu­ti­ge Haupt­al­tar des Domes stammt aus der Mön­chen­kir­che Jüter­bog. Mit dem Ende der Nut­zung der Jüter­bo­ger Mön­chen­kir­che als Pfarr­kir­che im Jah­re 1963 hat­te der Ver­fall des Bau­wer­kes und damit ein­her­ge­hend auch des Altars, der noch in der als Lager für Bau­ma­te­ri­al und Schul­mö­bel genutz­ten Kir­che ver­blieb, begon­nen. Anfang der 80er Jah­re begann die Rekon­struk­ti­on der Mön­chen­kir­che unter der Kon­zep­ti­on einer spä­te­ren Nut­zung als Biblio­thek. In die­ser Zeit wur­de der Altar abge­baut und in Ein­zel­tei­len nach Fürs­ten­wal­de trans­por­tiert.

Über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und das Schick­sal des Jüter­bo­ger Altars der Mön­chen­kir­che gibt es kaum Archiv­ma­te­ri­al. Weder der Autor (Bild­hau­er) noch der Stif­ter sind urkund­lich belegt. Die Anga­ben bezie­hen sich immer auf Über­lie­fe­run­gen . Als Ent­ste­hungs­zeit wird 1710 und 1711 ange­ge­ben.

Im „Dehio — Bezir­ke Berlin/DDR und Pots­dam" wird als Autor des Altars Johann Chris­toph Schüt­ze genannt. Die­se Anga­be fin­det sich eben­falls in „Bau- und Kunst­denk­ma­le in der DDR/ Bezirk Pots­dam". Wel­cher Quel­le die­se Anga­ben ent­nom­men sind, ist nicht nach­voll­zieh­bar.

Altar und Sakramentshaus von Südwesten gesehen

Altar und Sakra­ments­haus von Süd­wes­ten gese­hen

Von 1719 bis 1745 war Schüt­ze Lan­des­bau­meis­ter der Her­zö­ge von Sach­sen — Wei­ßen­fels in Zerbst. Wei­ter­hin sind Anga­ben zu sei­ner Tätig­keit als Maler gemacht. Der Jüter­bo­ger Altar bzw. eine Tätig­keit als Bild­hau­er über­haupt fin­det sich in der Per­so­nen­be­schrei­bung nicht. Was auch nicht ver­wun­dert, zumal der Altar inschrift­lich 1711 ent­stand. Schüt­ze muss zu die­ser Zeit ein ganz jun­ger Mann gewe­sen sein. Um einen so qua­li­tät­vol­len Altar, wie den aus Jüter­bog zu schaf­fen, bedarf es jedoch einer Men­ge Erfah­rung und meis­ter­li­chen, hand­werk­li­chen Kön­nens. Die Authen­ti­zi­tät der Auto­ren­an­ga­be kann unter die­sem Gesichts­punkt in Zwei­fel gezo­gen wer­den.

Im Archiv­ma­te­ri­al der Mön­chen­kir­che fand sich bis­her kein Hin­weis auf den Namen des Autors. Ledig­lich der Ver­merk in dem Kir­chen­be­richt des M. Ole­a­ri­us vom 5. Dezem­ber 1710: "Am neu­en Altar wird von einem Bild­hau­er aus Ber­lin .…gear­bei­tet", lässt auf die Her­kunft des Bild­hau­ers schlie­ßen.

Johannes der Täufer

Johan­nes der Täu­fer

Der Jüter­bo­ger Altar ist ein typi­scher Hoch­al­tar des frü­hen 18. Jahr­hun­derts. Der höl­zer­ne Archi­tek­tur­auf­bau erhebt sich über einem gemau­er­ten und ver­putz­ten Sockel und erreicht eine Höhe von 8 m. Sei­ne Brei­te beträgt etwa 4 m. Über dem Sockel befin­den sich links und rechts der Pre­del­la vier Pos­ta­men­te, auf denen Säu­len ste­hen, die inne­ren bei­den tre­ten etwas her­vor.

Die Fül­lun­gen der äuße­ren Pos­ta­men­te ent­hal­ten fol­gen­de Schrift­zü­ge: links: "Ver­flucht sey, wer nicht alle Wort die­ses Geset­zes erfül­let", rechts: "Thut Buße und glau­bet an das Evan­ge­li­um". Links bzw. Rechts von die­sen Pos­ta­men­ten sind die Kon­so­len ange­bracht, auf denen die Frei­fi­gu­ren in nahe­zu Lebens­grö­ße ste­hen: links Moses, rechts Johan­nes der Täu­fer.

Die Pre­del­la ent­hielt ursprüng­lich ein Gemäl­de, das heu­te nicht mehr vor­han­den ist. Über der Pre­del­la schwingt das Gesims des Unter­baus etwas an und bricht in zwei Volu­ten auf, die an eine klei­ne Kar­tu­sche mit einem Mono­gramm, mög­li­cher­wei­se die Initia­len des Stif­ters Johann Flem­ming, ansto­ßen.

Engelsfigur mit Schriftzug

Engels­fi­gur mit Schrift­zug

Auf den Pos­ta­men­ten ruhen jeweils auf einer Plin­the die vier Säu­len, die bei­den inne­ren wei­ter vorn ange­ord­net und hin­ter ihnen, leicht nach außen ver­setzt, ähn­lich gestal­te­te Pilas­ter. Die­se schlie­ßen, wie auch die Säu­len, mit einem Schaft­ring ab, über dem das Akan­thus-Volu­ten­ka­pi­tell folgt.

Dar­über baut sich ein brei­tes, über den Säu­len stark ver­kröpf­tes Gesims mit gespreng­ten Gie­bel auf, das ein Schrift­band mit ver­gol­de­ten Buch­sta­ben auf schwar­zem Grund ent­hält. Der Text lau­tet: "Für­wahr Er trug unser Krank­heit und lud auf sich unser Schmer­zen". In der Mit­te auf dem Schrift­band ist eine Engels­mas­ke ange­bracht. Über dem gespreng­ten Gie­bel thront die Strah­len­glo­rie, in deren Mit­te in hebräi­scher Schrift das Wort "Jah­we" (Gott) geschrie­ben steht. Davor, auf dem Gebälk des gespreng­ten Gie­bels, sit­zen zwei Engels­fi­gu­ren, die je ein auf­ge­schla­ge­nes Buch in den Hän­den hal­ten, links mit dem Schrift­zug: "Das Gesetz ist durch Mosen gege­ben" sowie rechts: "Die Gna­de und Wahr­heit ist durch Jes­um Chris­tum wor­den".

Ober­halb der Strah­len­glo­rie befin­det sich hin­ter die­ser ein gespreng­ter Drei­ecks­gie­bel, aus dem ein Obe­lisk empor­ragt, der in ver­gol­de­ter Schrift die Wor­te: "Hei­lig! Hei­lig! Hei­lig!" trägt.

Auf dem Gie­bel sit­zen links und rechts des Obe­lis­ken zwei klei­ne, in den Raum grei­fen­de Put­ten, die eine die Posau­ne bla­send. Ähn­li­che Engels­fi­gu­ren ste­hen auf dem Haupt­ge­sims rechts und links neben den Engeln.

Den Mit­tel­teil des Altars bil­det die Dar­stel­lung des Gekreu­zig­ten Jesus vor einem gemal­ten Hin­ter­grund mit der Ansicht Jeru­sa­lems. Zu Füßen des Kreu­zes befin­den sich zwei klei­ne Put­ten, die sich auf der Plat­te über der Mono­gramm­kar­tu­sche, auf der, wie in einer alten Abbil­dung zu erken­nen, ein Toten­schä­del abge­legt war, abzu­stüt­zen schei­nen.

Gesamtansicht von der Empore

Gesamt­an­sicht von der Empo­re

Altar in Gesamtansicht

Altar in Gesamt­an­sicht

Die Far­big­keit des Altars stellt, wie im Barock üblich, eine Stei­ni­mi­ta­ti­on dar. Sämt­li­ches orna­men­ta­les und figür­li­ches Schnitz­werk, dazu gehö­ren die Figu­ren, Kapi­tel­le und das Blatt­werk, waren in der Ori­gi­nal­fas­sung weiß­lich grau, ähn­lich Sand- oder Kalk­stein. Far­bi­ge Akzen­te wur­den gesetzt durch die Mar­mo­rie­rung der Archi­tek­tur­tei­le in röt­lich grau­en und ocker röt­li­chen Farb­tö­nen sowie Ver­gol­dun­gen an der Strah­len­glo­rie, der Engels­po­sau­ne, der Pro­fil­leis­ten um das Mit­tel­bild, der Sockel der Säu­len und Pilas­ter und der Buch­sta­ben.

In der letz­ten Farb­fas­sung kehrt sich die­ses Prin­zip um. Hier sind die Figu­ren stark far­big gefasst, die Archi­tek­tur­tei­le hin­ge­gen nur dezent hell­grau mar­mo­riert. Die Ver­gol­dun­gen wur­den nur zum Teil bei­be­hal­ten.

In Abstim­mung mit dem Bran­den­bur­gi­schen Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge und dem Auf­trag­ge­ber wur­de beschlos­sen, dass die Restau­rie­rung des Altars das ursprüng­li­che Erschei­nungs­bild wie­der her­stel­len soll­te.

(Verf.Kollegium der Restau­ra­to­ren Mari­ta Reincke)

Die Sakristei und der Bibliotheksanbau

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Der Nord­ost­an­bau ist sicher­lich die inter­es­san­tes­te Stel­le der gan­zen Kir­che. Er birgt die ältes­ten Tei­le des Baus; aber durch mehr­fa­che Umbau­ten ist die Inter­pre­ta­ti­on im Ein­zel­nen erschwert. So wird hier auch das letz­te Wort dazu noch nicht gesagt sein: Es kann nur eine unde­tail­lier­te Bestands­auf­nah­me des­sen erfol­gen, was wir sehen, was wir wis­sen und was wir dar­aus schlie­ßen kön­nen.

Nordseite mit Sakristei - früherer Zustand

Nord­sei­te mit Sakris­tei — frü­he­rer Zustand

Beschrei­ben wir also zunächst das Wahr­nehm­ba­re: Die Sakris­tei, nörd­lich an den Chor ange­baut, liegt tie­fer als die ande­ren Tei­le der Kir­che. Die Decke besteht aus vier Kreuz­ge­wöl­ben, deren Rip­pen ein bir­nen­för­mi­ges Pro­fil haben. Die Mau­ern ent­hal­ten im unte­ren Teil Feld­stei­ne und sind in die­sem Bereich erheb­lich dicker als die obe­ren Wän­de.

Im Innern gibt es zwei Lava­bos (stei­ner­ne Becken zur Hand­wa­schung der Pries­ter vor der Mes­se) in ver­schie­de­ner Höhe. Sie sind in die Außen­mau­er ein­ge­las­sen und hat­ten einen Abfluss zur Stra­ße.

Bei­der Abfluss liegt jetzt unter­halb des Kirch­platz­ni­veaus. Auch die Kon­so­len, die das Gewöl­be der Sakris­tei tra­gen, sind sti­lis­tisch nicht ein­heit­lich und müs­sen aus ver­schie­de­nen Zei­ten her­rüh­ren.

Die Biblio­thek, der Raum über der Sakris­tei, lässt erken­nen, dass die Decke zuvor nied­ri­ger war. Der Ansatz der Fens­ter­bö­gen zeigt eine ursprüng­lich fla­che­re Bogen­form an. Zudem bezeich­nen eini­ge erhal­ten geblie­be­ne Kon­so­len die Höhe einer ehe­mals tie­fer gele­ge­nen Decke.

Nordseite - heutiger Zustand

Nord­sei­te — heu­ti­ger Zustand

Über die Bau­ge­schich­te gibt es lei­der nur weni­ge und meist unge­naue Aus­sa­gen. Der unte­re Raum dien­te bis zum Ver­fall der Kir­che im 18. Jahr­hun­dert als Sakris­tei. Bei dem baro­cken Umbau durch Bou­mann 1754 wur­de die Sakris­tei wegen des vor der Süd­em­po­re auf­ge­stell­ten Kan­zel­al­tars in den süd­li­chen Anbau ver­legt, wo sie auch nach der Restau­rie­rung von 1908-10 noch ver­blieb. Der fort­an als "alte Sakris­tei" bezeich­ne­te Raum im Nord­ost­an­bau wur­de dage­gen um 1890 mit dem Ein­bau einer Dampf­hei­zung zum Heiz­raum degra­diert.

Im obe­ren Geschoß, der Biblio­thek, sind beim jet­zi­gen Wie­der­auf­bau zum Chor hin zwei gro­ße Spitz­bo­gen­fens­ter geöff­net wor­den, die davor zuge­mau­ert waren. Sie lockern den Biblio­theks­raum nach Süden auf. Außen befin­den sich an der Nord­wand 8 Blend­fens­ter, die erst aus der Restau­rie­rungs­pe­ri­ode von 1908-10 stam­men.

In Aus­wer­tung der genann­ten Beob­ach­tun­gen las­sen sich eini­ge Fol­ge­run­gen ablei­ten: Vom ältes­ten Bau des 13. Jahr­hun­derts könn­te der unte­re Teil des Feld­stein­mau­er­werks bis ober­halb der nörd­li­chen Stre­be­pfei­ler erhal­ten geblie­ben sein. Aus die­ser Zeit wer­den auch die bei­den Kon­sol­mas­ken mit den kreis­run­den Augen und das unte­re Lav­abo her­rüh­ren. Das zwei­te, höher ange­brach­te Lav­abo und eini­ge Ansät­ze von ursprüng­lich tie­fer sit­zen­den Gewöl­ben bezeu­gen einen frü­hen, zeit­lich nicht sicher erfass­ba­ren Umbau.

Der Biblio­theks­raum wur­de wahr­schein­lich nach 1446 errich­tet und könn­te unter Bisch­off Fried­rich Ses­sel­mann durch die Schlie­ßung der Fens­ter zur Kir­che hin sowie durch ein neu­es, höher ange­brach­tes Decken­ge­wöl­be zu des­sen pri­va­ter Haus­ka­pel­le umge­baut wor­den sein.

Seit der Reno­vie­rung der Sakris­tei befin­det sich die­se wie­der im unte­ren Raum des Nord­ost­an­baus und die Dom­bi­blio­thek dar­über. Damit nimmt man mit der Nut­zung die tra­di­tio­nel­len Funk­tio­nen der Räu­me wie­der auf. So wird Bewähr­tes bewahrt. (Verf. Dr. Chris­ta Rich­ter)

Die Orgeln im Dom

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Bis zum Jah­re 1576 hat­te der St. Mari­en Dom zwei Orgeln, die aber einem gro­ßen Stadt­brand zum Opfer fie­len. Genaue­res lässt sich über die­se Instru­men­te aber nicht sagen. Von 1590 — 1592 bau­te der Orgel­bau­er Mar­tin Gra­bow, der zeit­wei­lig sei­ne Werk­statt auch in Fürs­ten­wal­de hat­te, eine Orgel, die 1756 bei der tota­len Reno­va­ti­on abge­ris­sen wer­den muss­te.

Orgel um 1919

Orgel um 1919

Der berühm­te Orgel­bau­er Gott­lieb Scholt­ze aus Nerup­pin stell­te im Jah­re 1772 einen Orgel­neu­bau (drei-manu­a­lig, Pedal, 46 klin­gen­de Stim­men) fer­tig. Der Pro­spekt die­ser schö­nen Orgel wur­de bei einem erneu­ten Neu­bau (1908–10) bei­be­hal­ten. Die­ser wur­de von der Orgel­bau­fir­ma Sau­er aus Frank­furt (Oder) erstellt und von dem fast acht­zig­jäh­ri­gen Wil­helm Sau­er als des­sen letz­tes Werk nach dem Ein­wei­hungs­kon­zert einer brei­ten Öffent­lich­keit erläu­tert. Wir wis­sen, dass die­ses Instru­ment eben­falls drei Manua­le, Pedal und 50 klin­gen­de Stim­men besaß und von dem Ren­dan­ten Fritz Gras­nick gestif­tet wur­de. Bei der Zer­stö­rung des Domes im April 1945 wur­de die­se Orgel eben­falls total zer­stört. In der seit dem Krieg genutz­ten Dom­not­kir­che bau­te Sau­er 1953 eine Orgel mit 17 Regis­tern auf zwei Manua­len und Pedal, ein klei­nes drei­re­gist­ri­ges Por­ta­tiv steht eben­falls dort.

Kleine Orgel der Orgel­baufirma Sauer

Klei­ne Orgel der Orgel­baufirma Sau­er

Recht­zei­tig zur Domein­wei­hung im Jah­re 1995 wur­de von der Orgel­baufirma Sau­er eine klei­ne, fahr­ba­re Orgel gelie­fert. Sie hat mecha­ni­sche Spiel- und Regis­ter­trak­tur sowie drei Kop­peln.

Die gro­ße Dom­or­gel wur­de von der Fir­ma Schu­ke aus Pots­dam erbaut. Das Instru­ment ist eine Orgel, die ursprüng­lich 1967 auf der Nord­empo­re der Tho­mas­kir­che in Leip­zig erbaut wur­de. Nach­dem die­ses Instru­ment der neu­en Bach-Orgel der Tho­mas­kir­che wei­chen muss­te, wur­de sie vor­über­ge­hend zwi­schen­ge­la­gert und an die Dom­ge­mein­de Fürs­ten­wal­de ver­kauft. Für den Ein­bau in den Dom St. Mari­en wur­de die Orgel neu kon­zi­piert und die Dis­po­si­ti­on auf 69 Regis­ter auf vier Manua­len und Pedal erwei­tert. Um mehr über die gro­ße Dom­or­gel auf der obers­ten Wes­tem­po­re zu erfah­ren, kli­cken Sie bit­te hier. (Verf. KMD Georg Popp)

Die Dombibliothek in Fürstenwalde

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Wer von einer Dom­bi­blio­thek hört, denkt an die wert­vol­len, reich geschmück­ten Hand­schrif­ten und umfang­rei­chen theo­lo­gi­schen Dru­cke, wie sie etwa in Bran­den­burg oder Hal­ber­stadt auf­be­wahrt und gezeigt wer­den. Eine Samm­lung die­ser Art muss es im Bis­tum Lebus und an sei­nem Dom in Fürs­ten­wal­de auch gege­ben haben. Vor Ort hat sie sich aber nicht erhal­ten. Eini­ge Hand­schrif­ten wer­den in Ber­lin und Bres­lau auf­be­wahrt.

Bibliothek vor 1945

Biblio­thek vor 1945

Als das katho­li­sche Bis­tum mit der Ein­füh­rung der Refor­ma­ti­on ende­te und der Dom evan­ge­li­sche Stadt­kir­che St. Mari­en wur­de, muss­te für den Dienst der evan­ge­li­schen Pre­di­ger und Leh­rer eine Biblio­thek geschaf­fen wer­den, um ihnen das geis­ti­ge Hand­werks­zeug zu ver­mit­teln. Luther hat­te dazu auf­ge­ru­fen, und in vie­len Städ­ten wur­den in der 2. Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts Kir­chen- oder Pfarr­bi­blio­the­ken gegrün­det. Das geschah auch in Fürs­ten­wal­de, als der evan­ge­li­sche Dom­herr Mar­tin Wobe­ligk 1576 sei­ne Bücher der Gemein­de ver­mach­te. Auf die­ser Grund­la­ge ist sicher wei­ter­ge­baut wor­den, doch haben sich von die­ser Samm­lung nur eini­ge Bän­de der gro­ßen Gesamt­aus­ga­be von Luthers Wer­ken aus dem 16. Jahr­hun­dert erhal­ten.

Die Basis der heu­ti­gen Biblio­thek ist die ganz per­sön­li­che Bücher­samm­lung von Magis­ter Ernst Fried­rich Quis­torp (1689–1762), einem Pfar­rer des 18. Jahr­hun­derts, der von dem Bil­dungs- und Sam­me­lei­fer sei­ner Zeit ange­steckt war. Er wirk­te in dem säch­si­schen Ort Geh­ren, stamm­te aber aus Fürs­ten­wal­de und hat dort sicher auch die alte pro­tes­tan­ti­sche Kir­chen­bi­blio­thek ken­nen­ge­lernt. Ihr ver­mach­te er daher sei­ne wert­vol­le Samm­lung. Die etwa 250 erhal­te­nen Bän­de zei­gen, dass Quis­torp etwas von dem Wert sel­te­ner Bücher ver­stand und sei­ne Kennt­nis­se am Anfang der Bücher auch notier­te. Mit Schen­kun­gen an die Biblio­thek hat er Vor­läu­fer und Nach­fol­ger gehabt. So kamen aus der ange­se­he­nen Fürs­ten­wal­der Fami­lie Bern­har­di um 1700 ver­schie­de­ne Bän­de in die Biblio­thek.

In der Biblio­thek sind alle Berei­che der Theo­lo­gie ver­tre­ten. Natür­lich hat man ver­schie­de­ne Bibel­aus­ga­ben gesam­melt, auch in den Urspra­chen Hebrä­isch und Grie­chisch. 60 Exem­pla­re sind zusam­men­ge­kom­men und eben­so vie­le Gesang­bü­cher, von denen das ältes­te aus dem 17. Jahr­hun­dert stammt.

Beson­de­ren Wert erhält die Biblio­thek durch das Klein­schrift­tum. Lei­der haben sich von den 658 Lei­chen­pre­dig­ten und 180 Trau­re­den nur weni­ge Exem­pla­re erhal­ten. Durch gute Ver­zeich­nis­se blie­ben wenigs­tens die Fami­li­en­da­ten aus die­sen Schrif­ten erhal­ten. Der Fürs­ten­wal­der Super­in­ten­dent Moritz Bau­mann (1694 — 1771) hat sei­ne hand­schrift­li­chen Pre­digt­auf­zeich­nun­gen in 46 Bän­den hin­ter­las­sen. Wer das stu­diert, kann sicher über die Situa­ti­on in der Stadt Fürs­ten­wal­de und im Lan­de Bran­den­burg man­ches erfah­ren. Auch die gedruck­ten Pre­dig­ten des Ber­li­ner Props­tes Johann Gus­tav Rein­beck (1683–1741) wur­den gesam­melt und zusam­men­ge­bun­den. Durch ihre Bro­schü­ren lernt man die geis­ti­gen Bemü­hun­gen der Fürs­ten­wal­der Pfar­rer Georg Fried­rich Gott­lob Goltz (1802–1852) und Franz Korn­rumpf (1861 -1942) ken­nen.

Im Jah­re 1903 soll die Biblio­thek 2200 Bän­de gehabt haben, dar­un­ter 540 Schrif­ten aus dem Zeit­al­ter der Refor­ma­ti­on. Bei der Zer­stö­rung des Domes im April 1945 wur­de die Biblio­thek, die im obe­ren Teil des Sakris­tei­an­baus ihren Platz hat­te, schwer beschä­digt. Vie­len Büchern sieht man noch heu­te an, dass sie im Schutt gele­gen haben. Da alles frei zugäng­lich war, kamen auch vie­le Bücher abhan­den. Ein Teil wur­de vom Hei­mat­mu­se­um auf­ge­nom­men und erst 1991 voll­stän­dig an die Dom­ge­mein­de zurück­ge­ge­ben.

Bibliothek im Nordanbau

Biblio­thek im Nord­an­bau

Auf die­se Wei­se ist die Samm­lung auf 350 Bän­de mit 1015 Titeln, d.h. etwa ein Sechs­tel des alten Bestan­des, zusam­men­ge­schmol­zen. Sie besitzt jedoch heu­te noch einen Druck aus der Früh­zeit der Let­tern­kunst, die Legen­de von der hei­li­gen Mar­ga­re­te, 166 Schrif­ten aus der Refor­ma­ti­ons­zeit und über 500 Titel aus den bei­den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten.

Durch einen bedeu­ten­den Zuge­winn wur­de der Ver­lust, den die Kir­chen­bi­blio­thek erlit­ten hat­te, gemil­dert. Die seit 1790 in Stein­hö­fel ansäs­si­ge Fami­lie von Mas­sow besaß in ihrem Guts­haus eine gro­ße, wert­vol­le Biblio­thek, die beson­ders das Bil­dungs­gut des 18. Und 19. Jahr­hun­derts bewahr­te. 1965 kamen die nach dem Krieg geret­te­ten Bücher in die Obhut der Dom­bi­blio­thek. Nach der Wen­de hat die Fami­lie von Mas­sow die­se Bemü­hun­gen der Kir­che aner­kannt und die Bücher als Dau­er­leih­ga­be in der Kir­che belas­sen. Dadurch wird ein­mal bezeugt, dass die evan­ge­li­sche Kir­che auch ein Hort des all­ge­mei­nen geis­ti­gen Lebens gewe­sen ist. Das haben zum Bei­spiel die Dich­ter­le­sun­gen in den Kir­chen wäh­rend der sozia­lis­ti­schen Zeit gezeigt. Die Kir­che aber kann durch die Bewah­rung einer der weni­gen in Bran­den­burg erhal­te­nen Guts­bi­blio­the­ken andeu­ten, was sie den Kir­chen­pa­tro­nen in der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Zeit zu ver­dan­ken hat, die der Beken­nen­den Kir­che gegen das deutsch­christ­li­che Kir­chen­re­gi­ment bei­stan­den.

Eine Biblio­thek braucht Men­schen mit drei ver­schie­de­nen Inter­es­sen. Die einen schaf­fen Bücher an oder stif­ten sie. Davon war eben die Rede. Die ande­ren pfle­gen und bewah­ren sie wie der Pfar­rer Robert Kör­ner (1833–1902), der die Biblio­thek neu geord­net und kata­lo­gi­siert hat, wie Rudolf Fähn­d­rich, der die Lei­chen­pre­dig­ten erforsch­te, wie die Leh­re­rin Irm­gard Cas­par, die nach 1945 die Bücher sorg­sam ver­wahrt und Neue­res gesam­melt hat, und wie Frau Han­ne­lo­re Dör­sch­mann, die in den letz­ten Jah­ren alles in schöns­te Ord­nung gebracht und so kata­lo­gi­siert hat, dass die For­schung dadurch Zugang zu der Biblio­thek gewinnt. Gebraucht wer­den aber auch Benut­zer, Men­schen, die das alte Buch bestau­nen und wür­di­gen, und sol­che, die es stu­die­ren und tie­fer in die Ver­gan­gen­heit ein­drin­gen wol­len. Auf sie alle war­tet die Biblio­thek, die in wür­di­ger Gestalt im alten Biblio­theks­an­bau wie­der auf­ge­stellt wur­de. (Verf. OKR i.R. Dr. Kon­rad v. Rabenau)

Was sich im Erdreich des Domes verbirgt

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Im Zuge der Bau­ar­bei­ten waren auch ver­schie­de­ne klei­ne­re archäo­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen im Dom not­wen­dig. Alte Schrift­stü­cke und die Erkennt­nis­se, die beim gro­ßen Umbau des Domes zwi­schen 1908 und 1910 gewon­nen wur­den, run­den das Bild von der Bau­ge­schich­te unse­res Domes ab.

Aus einer Viel­zahl von Befun­den lei­tet sich nun ab, dass der 1432 zer­stör­te Vor­gän­ger­bau des Domes nicht wesent­lich klei­ner als das heu­ti­ge Bau­werk war. Das zeugt von einer statt­li­chen Wirt­schafts­kraft des mit­tel­al­ter­li­chen Fürs­ten­wal­de. Anschau­li­cher und in die­ser kur­zen Form ver­ständ­li­cher sind vie­le klei­ne Fun­de und Befun­de aus dem Dom. Sie kamen z.B. wäh­rend der Sanie­rung der Fun­da­men­te an der Außen­sei­te zu Tage. Hier­bei wur­de u.a. die Sicker­gru­be sicht­bar, die zu dem Aus­guß­stein in der alten Sakris­tei gehör­te.

Auch eine gemau­er­te Gruft trat in die­sem Zusam­men­hang zuta­ge. Lei­der hat­ten bereits über Nacht Schatz­grä­ber begon­nen, die Gruft auf­zu­bre­chen. Das zwang zu einer sofor­ti­gen Unter­su­chung durch das Muse­um, um wei­te­re Beein­träch­ti­gun­gen zu ver­hin­dern. Mit schwar­zer Far­be war an der Stirn­sei­te die Ver­stor­be­ne genannt. Es han­del­te sich um die Toch­ter des Jägers Schult­ze, die 1736 (?) ver­starb. Die Gruft war jedoch leer. Auf dem Boden lagen ledig­lich noch klei­ne Tei­le einer Toten­kro­ne. Es bedarf sicher noch län­ge­rer archi­va­li­scher For­schung, um die Umstän­de zu klä­ren, wes­halb das Grab leer war.

Würfel und Schreibgriffel für Wachstafeln (13./14. Jhd.) - Funde aus der Füllerde zwischen den Gräbern im südwestlichen Teil des Kirchenschiffs

Wür­fel und Schreib­grif­fel für Wachs­ta­feln (13./14. Jhd.) — Fun­de aus der Fül­ler­de zwi­schen den Grä­bern im süd­west­li­chen Teil des Kir­chen­schiffs

Auch im Inne­ren des Domes muss­ten eini­ge Berei­che für Fun­da­men­tar­bei­ten und für die Hei­zungs­an­la­ge aus­ge­gra­ben wer­den. Selbst­ver­ständ­lich befin­den sich auch im Domin­ne­ren Grä­ber. An die­ser Stel­le soll nur von den Grä­bern des 17. und 18. Jahr­hun­derts die Rede sein. Fünf Grüf­te wur­den 1991 und 1992 unter­sucht. Wie wich­tig die sofor­ti­ge Unter­su­chung und Ber­gung war, zeigt ein trau­ri­ges Bei­spiel: Über Nacht wur­de im Dom ein­ge­bro­chen und eine "schwar­ze Mes­se" gefei­ert. In die­sem Zusam­men­hang wur­de der Inhalt einer gera­de geöff­ne­ten Gruft ange­zün­det und durch­ein­an­der­ge­wor­fen. Das voll­stän­dig erhal­te­ne Kleid mit einem Besatz aus sil­ber­ner Bor­te wur­de dabei stark in Mit­lei­den­schaft gezo­gen. Das Kopf­kis­sen die­ser Dame war nicht wie üblich mit Hobel­spä­nen gefüllt, son­dern mit Blü­ten­blät­tern.

Rasierpinsel

Rasier­pin­sel

In einer ande­ren Gruft hat­te ein Ver­stor­be­ner als Bei­ga­be ein klei­nes Glas­töpf­chen zwi­schen den Füßen. Einer wei­te­ren Per­son war ein Rasier­pin­sel bei­ge­ge­ben wor­den. Durch das Anle­gen von Grab­gru­ben gelang­te manch ein Gegen­stand in die Erde, der zu frü­he­ren Bestat­tun­gen gehör­te. Knöp­fe, Nadeln, Ösen und Haken sind die häu­figs­ten Tracht­be­stand­tei­le, mit denen die Erde durch­setzt ist. Dort fand sich aber auch ein mit­tel­al­ter­li­cher Schreib­grif­fel und ein Wür­fel aus Kno­chen, die wohl einst in der Kir­che ver­lo­ren wur­den. Die Bruch­stü­cke von Ton­pfei­fen und von Ton­ge­fä­ßen wer­den wohl eher dem Toten­grä­ber oder Bau­ar­bei­tern zuzu­wei­sen sein.

Die­se Klein­fun­de zeich­nen ein leben­di­ges Bild von den Men­schen in Fürs­ten­wal­de.

Die Bau­ar­bei­ter hat­ten in jün­ge­rer Zeit mehr­mals das Pech, beim Stel­len von Rüst­pfäh­len in Grüf­te zu gera­ten. Im Jah­re 1909 schloss der Mau­rer Otto Wal­ter nicht nur das Gewöl­be der Gruft fach­män­nisch, son­dern hin­ter­ließ auch noch eine Fla­schen­post, auf der alle Betei­lig­ten genannt wer­den.

Kul­tur­ge­schicht­lich inter­es­sant ist auch das jüngs­te Grab im Domin­ne­ren. Es lag sehr flach, gleich unter dem Fuß­bo­den. Die gemau­er­ten Wän­de waren mit from­men Sprü­chen in schwar­zer Far­be geziert.

Nach der Form der Buch­sta­ben zu urtei­len, ist die Gruft um 1850 ange­legt wor­den. Weil der Fried­hof um den Dom bereits 1822 geschlos­sen wur­de, muss man davon aus­ge­hen, dass hier jeman­dem ein Son­der­wunsch erfüllt wur­de. Die­ses Grab liegt außer­dem vor dem Altar, genau in der Mit­te des Kir­chen­schif­fes an einer beson­ders bevor­zug­ten Stel­le.

Hier lie­gen auch eini­ge Bischö­fe des Bis­tums Lebus begra­ben. Ein sol­ches Bischofs­grab wur­de beim Aus­he­ben der Grab­gru­be auch berührt, denn an der Süd­sei­te der Gruft ragt eine Rei­he mäch­ti­ger Feld­stei­ne in das Inne­re. 1754 wur­de das Kir­chen­in­ne­re auf­ge­füllt und der Fuß­bo­den höher gelegt. Als Füll­stoff dien­te Bau­schutt. In die­sem Schutt befin­den sich auch zer­bro­che­ne Grab­stei­ne und ande­re Archi­tek­tur­tei­le des Mit­tel­al­ters.

Wie bei fast jeder Aus­gra­bung in einer Kir­che wur­de Klein­geld gefun­den, wel­ches den Klin­gel­beu­tel nicht erreich­te, son­dern vor­her in den Fuß­bo­den ein­ge­tre­ten wur­de. Die­se Fun­de und noch vie­les ande­re war­ten noch auf eine gründ­li­che Aus­wer­tung durch Ver­glei­che, natur­wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen usw. Dann erzählt jeder ein­zel­ne Gegen­stand noch viel aus­führ­li­cher sei­ne Geschich­te und damit auch die Geschich­te der Stadt und ihrer Dom­ge­mein­de. (Verf. Flo­ri­an Wil­ke)

Der Domturm mit Domuhr und Glocken

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Turm in seinem gegenwärtigen Zustand

Turm in sei­nem gegen­wär­ti­gen Zustand

Schon die ältes­ten Stadt­an­sich­ten zei­gen, dass neben dem Haupt­turm (mit je nach Zeit­ge­schmack aus­ge­bil­de­ter Hau­be) zwei Sei­ten­tür­me ste­hen. Bei der Neu­ver­put­zung der Turm­front 1992/93 wur­de unter den alten Putz­schich­ten goti­sches Zie­gel­mau­er­werk gefun­den mit einem Schmuck­band aus schwarz­la­sier­ten Zie­geln.

Bei der Zer­stö­rung der Vor­gän­ger­kir­che durch die Hus­si­ten im Juli 1432 muss auch der dama­li­ge Turm so in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wor­den sein, dass die Glo­cke (Glo­cken?) abstürz­ten, denn bei den Bag­ger­ar­bei­ten im Dom wur­de 1990 die Stel­le gefun­den, an der eine Glo­cke in ein Grab gestürzt war. Es lag dort auch noch eine Men­ge klei­ner Bruch­stü­cke Bron­ze her­um. Auch nach dem Neu­bau des Domes ab 1446 erlitt beson­ders der Turm meh­re­re schlim­me Scha­dens­fäl­le: Am 28. April 1576 zün­de­te ein Blitz im Turm und ver­nich­te­te durch den nach­fol­gen­den Brand Glo­cken, Kirch­dach, die zwei Orgeln(!), das Bischofs­schloss und 90 Häu­ser.

1730 war dann der Turm wie­der so bau­fäl­lig, dass man sei­nen Abriss erwog. Ehe es aber dazu kam, stürz­te der Turm 1731 ein. Die Bau­zeich­nung für den Turm­auf­bau aus dem 1733 ist im Kreis­ar­chiv noch vor­han­den. Aber der Auf­bau zog sich über Jah­re hin (auch damals gab es Bau-Büro­kra­tie und Geran­gel wegen der Zustän­dig­kei­ten!).

1754 war die Kir­che repa­riert, im Früh­jahr 1755 der Turm end­lich fer­tig. Aber bereits im Dezem­ber 1755 muss­te der Bür­ger­meis­ter fest­stel­len, dass die Mau­rer­ar­beit am Turm sehr schlecht aus­ge­führt wur­de und bereits Stei­ne her­ab­zu­fal­len droh­ten, wor­auf­hin zunächst ein­mal die Bezah­lung von Bau­rech­nun­gen gestoppt wur­de. Weit schlim­mer aber war, dass im Früh­jahr 1766 der Blitz erneut in den Turm ein­schlug und zün­de­te. Die­ses Mal zer­schlu­gen Trüm­mer Dach, Gewöl­be, Kan­zel und Kirch­ge­stühl. Aber der Wie­der­auf­bau gelang schnel­ler: 1767 waren Turm und Kir­che wie­der benutz­bar.

Auch bei der gro­ßen Kir­chen­re­no­vie­rung 1908-10 wur­de der Turm wie­der saniert. Sei­ne Höhe bis zum Stern über der Wet­ter­fah­ne betrug damals 72 m.

Turmuhr vor Restaurierung, 1992

Turm­uhr vor Restau­rie­rung, 1992

Im April 1945 brann­te der Turm (wie der gan­ze Dom) erneut. Nach dem Wie­der­auf­bau beträgt sei­ne Höhe nun­mehr 68 m bis zum Kreuz. Für die­ses Kreuz hat­te sich der Gemein­de­kir­chen­rat ent­schie­den, als nach der ers­ten Nach­kriegs­re­kon­struk­ti­on der 50er Jah­re der Turm 1990–93 erneut ein­ge­deckt wer­den muss­te (dies­mal mit Kup­fer­blech und mit Sanier­putz ver­se­hen wur­de. Die Res­te der bei der Ent­trüm­me­rung gefun­de­nen ehe­ma­li­gen Wet­ter­fah­ne mit dem Stadt­wap­pen sind noch im Dom zu sehen.

Wann erst­mals eine Turm­uhr im Dom­turm die Zeit anzeig­te, ist nicht belegt. 1755 wird von den Kos­ten einer neu­en Uhr berich­tet: 80 Taler sind in der Akte ver­merkt.

Turmuhr nach der Restaurierung, 1992

Turm­uhr nach der Restau­rie­rung, 1992

Als nach der 1945er Kriegs­zer­stö­rung wie­der eine Uhr in den Turm ein­ge­baut wer­den konn­te, wur­de zunächst ein elek­trisch gesteu­er­tes Werk der Fir­ma Hörz-Ulm ver­wen­det. Bei der letz­ten Rekon­struk­ti­on wur­de die­ses Werk, das im Lau­fe der fast drei Jahr­zehn­te schon recht stör­an­fäl­lig gewor­den war, durch ein funk­elek­tro­nisch gesteu­er­tes Werk ersetzt. Die Zeit­si­gna­le kom­men vom Funkamt Braun­schweig.

Von ganz beson­de­rer Art sind die Zif­fern­blät­ter: Es han­delt sich nicht um die übli­chen Blech­schei­ben mit auf­ge­mal­ten Schei­ben, son­dern um sehr gro­ße Sand­stein­qua­dern, in wel­che die Zif­fern von Stein­met­zen ein­ge­ar­bei­tet sind! Die­se sel­te­ne Gestal­tung rührt offen­bar aus der Bau­zeit 1767 her; damals wur­den wohl auch die Chro­no­s­köp­fe über den vier Zif­fern­blät­tern ange­bracht. Dabei han­delt es sich um sehr qua­li­täts­vol­le Sand­stein­ar­bei­ten, die einen Ver­gleich mit den „Mas­ken der ster­ben­den Krie­ger" von Andre­as Schlü­ter am Ber­li­ner Zeug­haus nicht zu scheu­en brau­chen. Das Äuße­re des Turms, so wie es heu­te weit­hin sicht­bar ist, von wel­cher Sei­te man auch immer nach Fürs­ten­wal­de kommt passt eigent­lich nicht zum goti­schen Ursprung des Domes. Den­noch haben sich die Fürs­ten­wal­der Ein­woh­ner inzwi­schen an sei­nen baro­cken Bau­stil gewöhnt.

Dass vom Dom­turm aus seit unaus­denk­lich lan­gen Zei­ten Glo­cken ins Land und die Stadt läu­te­ten, ergibt sich aus der Tat­sa­che, dass die Absturz­stel­le der Glo­cke von 1432 gefun­den wur­de. Wann im Zusam­men­hang mit dem Dom­bau ab 1446 neue Glo­cken in den Turm kamen, ist offen. Aber bei dem Turm­brand 1576 erlit­ten auch die Glo­cken wie­der Scha­den. Hans Zied­ler (oder Zeid­ler) aus Nürn­berg goss 1604 eine neue gro­ße Glo­cke. Offen­bar auf die­se bezieht sich 1684 die Bemer­kung des dama­li­gen Bür­ger­meis­ters Loti­chi­us, dass die gro­ße Glo­cke wegen eines gro­ßen Bru­ches Klang und Schall gänz­lich ver­lo­ren hat. Dane­ben gab es aber noch vier ande­re Glo­cken (ein­schließ­lich Klin­gel und Uhr­glo­cke). Immer­hin fin­det sich in der Reim­chro­nik des Bür­ger­meis­ters Loti­chi­us von 1679 ein Lob­lied auf das Geläut des Domes.

Überführung der Glocke am 12. November 1925 zur Domkirche

Über­füh­rung der Glo­cke am 12. Novem­ber 1925 zur Dom­kir­che

Nach dem Turm­brand von 1766 goss der Glo­cken­gie­ßer Thie­le aus Ber­lin drei neue Glo­cken. Sie waren auf die Töne „c", „e" und „a" gestimmt und wogen 44,22 und 11 Zent­ner.

Noch am 7. 10.1918 muss­te die mitt­le­re Glo­cke für Kriegs­zwe­cke abge­lie­fert wer­den. Sie konn­te 1925 durch eine in der bekann­ten Glo­cken­gie­ße­rei Schil­ling-Apol­da gegos­se­ne Glo­cke ersetzt wer­den.

Die­se Glo­cke und eine der Glo­cken von 1775 wur­den dann wie­der für den 2. Welt­krieg 1942 vom Turm geholt. Glück­li­cher­wei­se kam die Glo­cke von 1775 nicht zur Ein­schmel­zung; sie fand sich nach Kriegs­en­de auf dem "Glo­cken­fried­hof" in Ham­burg an. Von der im Dom ver­blie­be­nen Glo­cke fand sich bei den Ent­trüm­me­rungs­ar­bei­ten nur noch ein Bruch­stück, zufäl­li­ger­wei­se mit dem Guss­jahr „1775".

Die zurück­ge­hol­te Glo­cke wur­de 1950 zunächst in einem pro­vi­so­ri­schen Glo­cken­stuhl an der Dom­not­kir­che auf­ge­hängt. 1956 konn­te sie wie­der in den inzwi­schen auf­ge­bau­ten Dom­turm kom­men.

Das Geläut wur­de im glei­chen Jahr durch zwei Stahl­guss­glo­cken (wie­der von der Fir­ma Schil­ling-Apol­da) ergänzt.

Glockenstuhl im Jahr der Wiedereinweihung des Domes 1995

Glo­cken­stuhl im Jahr der Wie­der­ein­wei­hung des Domes 1995

So besteht das Dom-Geläut nun aus
Gro­ßer Glo­cke (Bron­ze) von 1774          Ton h°
mitt­le­rer Glo­cke (Stahl) von 1956             Ton d – nach cis ten­die­rend
klei­ner Glo­cke (Stahl) von 1956               Ton e.

Die Stahl­guss­glo­cken tra­gen die Inschrif­ten: „Die­net dem Herrn mit Freu­den" und „Gott allein die Ehre". Auf der Glo­cke von 1774 sind die Namen der dama­li­gen Kir­chen­vor­ste­her und der Rats­an­ge­hö­ri­gen zu lesen. (Verf. Gün­ter Kuhn Sup. i. R.)

Wei­ter­füh­ren­de Links zum Dom St. Mari­en fin­den Sie in der Rubrik Links.

(Anmer­kung: Tei­le die­ser Sei­te wur­de nach einem Text, ent­nom­men der “Fest­schrift zur Wie­der­ein­wei­hung des St. Mari­en Domes zu Fürs­ten­wal­de”, 1995, geschrie­ben)