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Dom St. Marien


Dom Fürstenwalde - kriegszerstört und wiedereingeweiht 1995

St. Marien – Domgemeinde Fürstenwalde/Spree
Domplatz 10
15517 Fürstenwalde / Spree
Tel.: (03361) 73560 50
Fax: (03361) 73560 60
E-Mail: domgemeinde.fuerstenwalde[at]ekkos.de

Der Dom ist täglich geöffnet von 10 bis 16 Uhr (im Winter bis 15 Uhr), Sonntags ab 11:30 Uhr.

 

Dom St. Marien mit südlichem Kapellenanbau von 1475, von Südost gesehen

Dom St. Marien mit südlichem Kapellenanbau von 1475, von Südost gesehen

Auf dieser Seite finden Sie umfangreiche Informationen zum Dom St. Marien in Fürstenwalde und seiner Geschichte.

Der Dom St. Marien im Wandel der Zeiten

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Durch die Jahrhunderte zieht sich eine Spur von Zerstörung, Unglück und Krieg. Das trifft auch auf unseren St. Marien-Dom und auf sein Innenleben zu, so auch auf seine Orgeln. Und jedesmal waren es der Mut und die Zuversicht der Überlebenden und ihrer Kinder, die sie befähigten, nach vorn zu sehen, anzupacken und  das Zerstörte wieder aufzubauen.

Gründung der Stadt Fürstenwalde und Bischofssitz

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Fürstenwalde wird im Jahr 1272 erstmals urkundlich erwähnt, allerdings ist anzunehmen, dass die Stadt schon früher, wahrscheinlich bereits vor 1250 gegründet wurde. Aufgrund ihrer Lage an der Spree ist die Stadt von nicht geringer verkehrstechnischer Bedeutung, denn ab hier ist die Spree nicht mehr befahrbar, so dass Waren verladen und auf dem Landweg bis zur Oder oder weiter landeinwärts transportiert werden müssen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Fürstenwalde rasch eine der wohlhabendsten Städte in der Mark Brandenburg wird.

Turm des Domes St. Marien

Turm des Domes St. Marien

Die einstige Stadtkirche St. Marien wird im Jahre 1385 vom Papst als Kathedralkirche bestätigt und so Sitz der Bischöfe des Bistums Lebus, deren bisherige Kathedrale in der Stadt Lebus 1373 durch Truppen Karls IV. zerstört wird. Sie wählen daher fortan lieber die volkreiche und gut befestigte Stadt Fürstenwalde als ihren Sitz und werden auch seit 1385 im Fürstenwalder Dom beigesetzt.

Bei einer Brandschatzung der katholischen Stadt durch die Hussiten, eine der ersten reformatorischen Bewegungen, die sich auf den tschechischen Theologen Jan Hus bezieht, wird die Kirche im Jahre 1432 zerstört.

Am 12. April 1446 wird mit der Grundsteinlegung durch Bischof Johann VII. der Neubau in Form eines Domes begonnen, dessen Silhouette seither die Stadt prägt. Die Kathedrale erhält die Form einer dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche und wird auf  den  Grundmauern der Stadtkirche erbaut.

Bemerkenswert ist – nicht nur wegen seiner Höhe – der Turmbau. Der quadratische Hauptbau mit seinen 68 m hohen Polygonaltürmen wird etwa um 1470 fertiggestellt. Zum Vergleich: Die Höhe bis zum Dachfirst beträgt 38 m.

Sakramentshaus und Altar im Dom St. Marien

Sakramentshaus und Altar im Dom St. Marien

1475 lässt Bischof Friedrich Sesselmann einen Kapellenanbau an der Südseite des Domes errichten. (Hier haben heute die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde ihr Domizil. Im Nordanbau hingegen befinden sich das Dombüro, die Neue Sakristei und die Dombibliothek.)

Im Innern des Domes befindet sich das älteste Bauwerk der Stadt Fürstenwalde: das auf das Jahr 1517 datierte, frei stehende, 12,50 m hoch aufragende Sakramentshaus. Diese spätgotische Turmpyramide aus Sandstein ist von reichster Detailbildung mit figürlichem Schmuck und besteht aus einem Fuß mit 4 Stockwerken. Das Sakramentshaus wird im Jahre 1517 vom Bischof Dietrich von Bülow gestiftet. Ebenfalls im Dom zu finden ist das Grabmal des Bischofs von Bülow, das nach seinem Tod 1523 geschaffen wird. Beide Ausstellungsstücke sind mit der Signatur „FHM“ versehen.

1528 plündert der Raubritter Nickel von Minckwitz mit seinen Truppen den Dom. 1555 verstirbt mit Bischof Johann VIII. Horneburg der letzte katholische Bischof von Lebus.

Während Bischof von Bülow seinen Domherren 1557 nach Wittenberg sendet, um „Kunde über die Lutherische Ketzerei einzuziehen“, ist der neue Kurfürst Joachim II. eher der Reformation zugeneigt. So findet am 11. April 1557 im Beisein des Kurfürsten Joachim II. und seines Bruders Hans von Küstrin als Markgraf der Neumark der erste evangelische Gottesdienst im St. Marien-Dom statt.

Im Laufe der Jahrhunderte wird der Dom wegen Zerstörungen, Brand und Baufälligkeit immer wieder umgestaltet. In den Annalen der Stadt haben sich nur wenige Aufzeichnungen erhalten. Sicher ist jedoch, dass Fürstenwalde 1631 von den Schweden erobert wird.

Dominneres von 1771 bis 1908 mit flacher Stuckdecke

Dominneres von 1771 bi 1908 mit flacher Stuckdecke

1769 überträgt Friedrich II. dem Oberlandbaudirektor Johann Boumann d. J. die Instandsetzung des Domes. Das gotische Gewölbe wird vollständig abgebrochen und durch eine verschalte Gipsdecke mit Rokoko-Rosetten geschmückt, die bis 1908 im Dom verbleibt. Im nördlichen Schiff wird eine dritte Empore angebracht und alles, was noch an Gotik zu finden war, vernichtet.

Der Umbau wird mit einer Weihe am 14. August 1771 abgeschlossen.

1844 weilt Friedrich Wilhelm IV. in Fürstenwalde und besichtigt auch den Dom. Dies befördert scheinbar seine gründliche Erneuerung, die jedoch erst 1855/56 zu einer  inneren Restauration des Domes  und der Reparatur des schadhaften Turms führt.

Wiederherstellung der St. Marien-Domes, 1909

Wiederherstellung der St. Marien-Domes, 1909

Im Jahre 1900 wird ein „Renovations-Baufond“ gegründet und 1908 mit dem Umbau zur Wiederherstellung des Fürstenwalder Domes begonnen. Am 31. Oktober 1910 kann der St. Marien-Dom nach zweieinhalbjährigem Umbau (ohne jeden Unfall bei den Arbeiten) eingeweiht werden.
Wiederherstellungsentwürfe aus dem Jahr 1905 (u.a unterer Grundriss, Emporengrundriss, Schnitt des nördlichen Vorbaus sowie Innenraumansichten vor der Wiederherstellung) sind auf den Seiten des Architekturmuseums der TU Berlin zu finden.

Dominneres 1910

Dominneres 1910

Das Ergebnis des Domumbaus, vollendet mit seiner Einweihung im Oktober 1910, beschreiben zeitgenössische Quellen wie folgt: „… Zwar ist der Barockturm geblieben, aber die vielen Stilwidrigkeiten im Aeußern wie um Innern sind geschwunden. Die ganze Renovation der Kirche ist von dem Gedanken getragen gewesen, den hohen geschichtlichen wie künstlerischen Wert des Gebäudes zu wahren. … So steht nun der mächtige Bau wieder in neuer Schönheit da. Man darf hoffen, dass ein Jahrhundert mit seinen Generationen vorübergehen werde, ehe der Domraum widerhallt von der Handwerker Tätigkeit.“

Leider hat sich dieser Wunsch nicht bewahrheitet und schon deutlich vor Ablauf eines Jahrhunderts hallt der Domraum von ganz anderen, schrecklichen Geräuschen wider.

Kanzelaltar 1910

Kanzelaltar 1910

Am 16. April 1945 beginnt frühmorgens die Oder-Offensive.

Am Abend des gleichen Tages wird der Domturm von einem Flugzeug beschossen, wobei ein Brand entsteht, der sich auf den Orgelprospekt, das Gestühl und die Turmstube der Bibliothek ausbreitet. In der folgenden Nacht wird das Hallenschiff des Domes zum größten Teil zerstört, nachdem eine Luftmine in der Nähe des Hauptaltars einschlägt. Am 18. April 1945 stürzt der Turm des Domes ein, am Folgetag schließlich fällt das Domgewölbe in sich zusammen.

Der Dom ist ein einziger Trümmerhaufen.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach der Zerstörung (der Schutt wurde seit Oktober 1945 beräumt)

Nach der Zerstörung (der Schutt wurde seit Oktober 1945 beräumt)

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Bald nach Kriegsende beginnen Gemeindemitglieder der St. Marien-Domgemeinde den Dom zu enttrümmern. Anfangs mit bloßen Händen und einer Schubkarre. Gottesdienste finden statt, Chormusik hält wieder ihren Einzug in ein Gebäude ohne Dach, mit zerstörten Wänden, zerstörtem Altar und verbrannter Orgel.

Das Amt für Denkmalpflege teilt dem Gemeindekirchenrat im Oktober 1946 im Ergebnis ihrer Besichtigung der Kriegsschäden des Domes u.a. folgendes mit: „Von der Kirche stehen nur noch der Turm und die drei westlichen Joche mit den entsprechenden Pfei­lern, Gurtbögen und Außenmauern, die Anbauten an der Nord- und Südseite und das Untergeschoß des älte­ren, bei dem Umbau in der Barockzeit in seiner goti­schen Form erhalten gebliebenen zweistöckigen Anbaus an der Nordseite, die sogen. Krypta. Das Ober­geschoß, der ehemalige Büchereiraum und spätere Mariendomkapelle, ist zum größten Teil zerstört. Die Gewölbe über der sogenannten Krypta sind erhalten; dagegen ist der östliche Teil des Kirchenschiffes mit dem polygonalen Chorumgang bis zur Solbank der Chorfenster vollkommen zerstört. Die Strebepfeiler an der Südseite dieses Teiles sind ebenfalls zerstört, so daß der restliche Mauerteil der Außenmauern voll­kommen aus dem Lot steht und bei etwaigem Wie­deraufbau von unten auf wieder neu aufgebaut wer­den muß. Auch die Pfeiler in diesem östlichen Teil sind bis auf zwei sehr beschädigte vollkommen zerstört. Die Dächer über dem Kirchenschiff und allen Anbau­ten sowie die Haube über dem Turm sind vollkommen vernichtet…“

Domruine

Domruine

Und doch finden sich schon zu diesem Zeitpunkt Menschen, die sagen: „Diesen Dom bauen wir wieder auf.“ Es sind sicher nicht viele, die zu diesem Zeitpunkt daran glauben.

Es gehen Jahre dahin in einer Gesellschaftsordnung, die sich nicht gerade durch Kirchenfreundlichkeit auszeichnet. Und doch, am 16. Dezember 1956 läuten die Glocken in den wiederhergestellten Domtürmen.

Richtkrone zum Richtfest am 8. Dezember 1965

Richtkrone zum Richtfest am 8. Dezember 1965

Der Beschluss zum kompletten Wiederaufbau des Domes wird im September 1959 im Gemeindekirchenrat gefasst.

1962 wird mit der Holz- und Außenrüstung am Südostbogen begonnen und die eigentlichen Maurerarbeiten nehmen ihren Lauf. 1963 nehmen auch die Zimmerleute die Arbeit am Dom auf. Nachdem Ende 1965 ein Ringanker installiert und die komplette Montage des Stahldaches beendet ist, wird Richtfest gefeiert. Am 4. Juli des folgenden Jahres wird die Fertigstellung des Daches mit den Worten „Segne, Gott, dies Werk unserer Hände!“ abgeschlossen.

Dombaubeauftragter Sup. i.R. Günter Kuhn im März 2013 an seinem Lieblingsplatz im Dom: vor dem Epitaph des Bischofs Dietrich v. Bülow

Dombaubeauftragter Sup. i.R. Günter Kuhn im März 2013 an seinem Lieblingsplatz im Dom: vor dem Epitaph des Bischofs Dietrich v. Bülow

Im Mai 1986 beschließt die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg unter Vorsitz von Bischof Dr. Gottfried Forck und dem Konsistorialpräsidenten Dr. Manfred Stolpe den Wiederaufbau des Dominneren.

Genau ein Jahr später verabschiedet der Gemeindekirchenrat die Ordnung der Dombauhütte, die ihre Arbeit unter Leitung des Dombaubeauftragten Sup. i.R. Günter Kuhn im Juni 1988 aufnimmt.

Mitarbeiter der Dombauhütte beim Wiederaufbau, 1995

Mitarbeiter der Dombauhütte beim Wiederaufbau, 1995

Nach Jahren des Planens und der Mühe und fleißiger Arbeit wurde der Dom wieder richtig lebendig.

Im Innern wurde ein modernes Gemeindezentrum gebaut, ein neuer (alter) Barockaltar hielt Einzug, eine kleine neue Orgel, von der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder gebaut, erhebt neben der großen Domorgel ihre Stimme zum Lob Gottes.

Bewusst hat man die Spuren der Zerstörung als Fragmente gelassen. Das Sakramentshaus wurde 1942 ummauert und so vor der Zerstörung bewahrt. Im hinteren Teil des Schiffes,  also in die Westhälfte des historischen Baukörpers, wurden architektonisch gekonnt im Erdgeschoss und den Emporen funktionale Gemeinderäume durch Glas abgetrennt. Transparent und licht lassen die großen Glaswände jederzeit einen Blick in das Kirchenschiff zu und verbinden so einzigartig die Zeugnisse der Vergangenheit mit den Erfordernissen der Moderne, ohne die Wunden der Geschichte zu überdecken. Der imposante Barockaltar stammt aus der jetzt als Bibliothek genutzten Franziskanerkirche in Jüterbog (mehr dazu weiter unten).

Hervorzuheben sind die vielen Spenden durch Privatpersonen, die zum Wiederaufbau des Domes nach dem Krieg bis hin zu seiner Wiedereinweihung im Oktober 1995 erheblich beitrugen.

Die Wiedereinweihung des Domes

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Am Reformationstag, 31. Oktober 1995 konnte der Fürstenwalder Dom St. Marien nach unendlichen Mühen und Opfern wieder eingeweiht werden. Was sich die Domgemeinde in den langen Aufbaujahren und ganz besonders in den letzten  9 Jahren des Wiederaufbaues erhoffte, ist in vollem Maße eingetroffen. Die Verbindung weniger alter erhaltener Teile mit modernen Bauelementen ist bestens gelungen. Viele tausend Besucher, die allein schon im ersten Jahr nach der Wiedereinweihung durch dieses Haus gingen, viele Gruppen, die Führungen miterlebten, konnten sich davon überzeugen, waren und sind des Lobes voll.

Die Gemeinde erhielt eine würdige Gottesdienststätte. Die zahlreichen Gemeindekreise können in räumlich günstigeren Verhältnissen arbeiten. Gottesdienstbesuch und Besuch der Gemeindekreise nahmen sichtlich zu, neue Aktivitäten entstanden und ganz schnell hatte sich ein Personenkreis gefunden, der den Aufsichtsdienst im täglich geöffneten Dom übernahm.

Der Dom St. Marien von seiner Wiedereinweihung bis heute

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Bundesweit ist der Dom inzwischen durch Tagungen kirchlicher Gremien, durch Eröffnungsgottesdienste von Großveranstaltungen, durch den Fernsehgottesdienst des ZDF Ostern 1997 ins Blickfeld geraten, und weitere Veranstaltungen dieser Art werden folgen. Aber auch außerkirchlich war der Fürstenwalder Dom begehrter Ort für Tagungen, Feiern, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen. Ausstellungen verschiedenster Art fanden im Dom ihren Platz.

Blick in das Kirchenschiff mit seinen modernen, sich harmonisch einpassenden Einbauten

Blick in das Kirchenschiff mit seinen modernen, sich harmonisch einpassenden Einbauten

Zu Gast waren inzwischen viele führende Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Wirtschaft, so auch der damalige Bundespräsident Roman Herzog, um nur einen aus der langen Liste zu nennen. Natürlich profitierte auch die Kirchenmusik der Domgemeinde, die sich in der Nachkriegszeit bis zur Domeinweihung trotz äußerst ungünstiger Umstände und widriger Platzverhältnisse zu erstaunlicher Größe und Qualität entwickelt hatte. Im wiedererstandenen Dom bekam sie nun einmalig schöne und geeignete Probenräume, kann in den Konzerten viel mehr Hörern Platz geboten werden, muß man für Aufführungen großer Werke keine anderen Kirchen mehr in Anspruch nehmen. So konnte sie gefestigt, erweitert und ausgebaut werden. Eine Gemeinde, eine Stadt, eine ganze Region sind stolz auf ihren Dom und identifizieren sich mit ihm.

Am 31. Oktober 2005 weihte Bischof Huber die von der Firma Schuke aus Potsdam erbaute und rein aus Spendenmitteln finanzierte große Domorgel ein, über die weitere, interessante Informationen auf dieser Seite zu finden sind.

Der Dom St. Marien ist ein Anziehungspunkt für Touristen (hier: Fürstenwalder Tourismusverein e.V.) und Geschichtsinteressierte. Im Juni 2010 konnte der geschäftsführende Pfarrer Martin Haupt den 400 000. Besucher seit der Wiedereinweihung im Dom zu Fürstenwalde begrüßen.

Weitere Informationen zur Innenausstattung des Domes St. Marien

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In den folgenden Abschnitten finden Sie weitere, detaillierte Informationen zu folgenden Aspekten der Innenausstattung des Domes St. Marien:

Das Sakramentshaus des Domes – ein Werk des Bildhauers Franz Maidburg

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Das Sakramentshaus nach einer Zeichnung von Gilly

Das Sakramentshaus nach einer Zeichnung von Gilly

Im Jahre 1989 wurde das Sakramentshaus des Domes, laut Inschrift 1517 vollendet bzw. aufgestellt, von seiner Ummantelung befreit, die es vor der Vernichtung im Krieg bewahrt hatte. Eine sorgfältige Restaurierung hat es seitdem wieder instandgesetzt.

Spitze des Sakramentshauses

Spitze des Sakramentshauses

Die lange Zeit im Verborgenen ließ das grazile, einer Turmmonstranz vergleichbare Werk in seinem künstlerischen Stellenwert nahezu in Vergessenheit geraten, obwohl es bereits in der ersten Phase der Wiederentdeckung der mittelalterlichen deutschen Kunst die Bewunderung des großen Berliner Architekten Friedrich Gilly (1772-1800) auf sich gezogen hatte. Dieser hielt es in einer Federzeichnung fest.

Die 12 m hohe Turmarchitektur, die sich in ihrer einstigen Disposition freistehend innerhalb der Chorarkaden auf der Nordseite des Domchores erhob, zeichnet sich durch virtuos gebildetes, filigran aufsprießendes Gliederwerk, die Ausschmückung bis in die oberen Geschosse mit qualitätvoll gearbeiteten Figuren und einem reich und lebendig gestaltetem Laubwerk aus – eine wunderbare dürerzeitliche, auf Italien verweisende Erfindung die Muttergottes mit dem schlafenden Kind. Um den Stil der Skulptur zu charakterisieren, wurde sogar der Name Tilman Riemenschneiders ins Spiel gebracht. Ein solcher Hinweis ist keineswegs falsch, denn der Schöpfer der Bildwerke in Fürstenwalde zeigt eine ähnliche sublime Oberflächenbehandlung des Steins, wie sie von dem Würzburger Bildhauer ist.

Sakramentshaus heute

Sakramentshaus heute

Auf den Namen des Künstlers, Bildhauer wie Architekt wohl in einer Person, deutet das Monogramm FHM am Sockel des Sakramentshauses hin, das mit größter Wahrscheinlichkeit in Franz Maidburg aufzulösen ist. Ähnlich gebildete Initialen finden sich auf zwei Reliefs, Abendmahl und Ölberg, im Schnütgen-Museum in Köln, die von dem bei der Barockisierung des Chores abgerissenen Sakramentshaus des dortigen Domes stammen. Franz Maidburg war offensichtlich auch der Urheber dieses als „Weltwunder“ – „miraculum mundi“ – gerühmten Werks.

Das Sakramentshaus aus ungewöhnlicher Perspektive

Das Sakramentshaus aus ungewöhnlicher Perspektive

Maidburg ist in seiner Bedeutung noch immer unzureichend gewürdigt, obwohl er zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der Dürerzeit gezählt werden muss. Der Name legt eine Herkunft bzw. frühe selbständige Tätigkeit in Magdeburg nahe. Im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts taucht der Bildhauer in den wirtschaftlich wie künstlerisch aufblühenden Bergwerksstädten Obersachsens auf: Eine ihm zugeschriebene, ganz auf Riemenschneider zurückverweisende Madonna in der Annenkapelle des Freiberger Domes ist an der Konsole 1513 datiert – von ihm und seinen Mitarbeitern stammen die Reliefs, etwa 100 an der Zahl, an den Emporen der St. Annenkirche in Annaberg. Doch nicht das Großprojekt um 1520 in Annaberg vermag den Qualitätsmaßstab zu setzen, an dem sich der künstlerische Rang Franz Maidburgs messen lässt: Hier sind allein die Reste des Sakramentshauses in Köln und jenes in Fürstenwalde aufschlussreich, das zu den Spitzenleistungen auf dem Gebiet der Kleinarchitektur des ausgehenden Mittelalters zu rechnen ist – ein Hauptwerk süddeutscher Prägung zu Beginn des 16. Jahrhunderts im norddeutschen Raum und von daher in einem Atemzug mit dem Bordesholmer Retabel Hans Brüggemanns, den Güstrower Aposteln Claus Bergs und der Goslarer Pietä des Hans Witten von Köln zu nennen.

Aus­schmü­ckung im Mittelteil mit qua­li­tät­voll gear­bei­te­ten Figu­ren

Aus­schmü­ckung im Mittelteil mit qua­li­tät­voll gear­bei­te­ten Figu­ren

Das Fürstenwalder Sakramentshaus ist vielleicht die persönliche Stiftung eines in jener Zeit bedeutenden brandenburgischen Kirchenmannes, des Lebuser Bischofs Dietrich von Bülow (Regierungszeit 1490-1523), Mitbegründer der Viadrina, der Frankfurter Universität. Dessen humanistischem Bildungsniveau entspricht vermutlich auch die Wahl eines außergewöhnlichen, „modernen“ Künstlers für den mit einem hohen Anspruch verbundenen Auftrag in Fürstenwalde, eines Bildhauers, der keineswegs in der Nähe ansässig war. Von nicht geringerer Bedeutung als das Sakramentshaus ist das benachbart an der Choraußenwand aufgestellte Epitaph Dietrichs, das ihn in der Anbetung des Gekreuzigten – eine der eindrucksvollsten Formulierungen des Themas in dieser Zeit – zeigt und an dem unlängst ebenfalls das auf Maidburg verweisende Monogramm entdeckt worden ist. (Verf. Dr. Hartmut Krohm)

Das Sandsteinepitaph für Bischof Dietrich von Bülow

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Dem am 1. Oktober 1523 verstorbenen Stifter des Sakramentshäuschens, dem gelehrten Prälaten Dietrich v. Bülow, Bischof zu Lebus, widmete der Schöpfer des Sakramentshäuschens, der obersächsische Steinbildhauer Franz Maidburg eine Grabplatte, die in ihrer künstlerischen Vollendung seinem Meisterwerke, dem Sakramentshäuschen, in keiner Weise nachsteht.

Die lebensgroße Figur des Verstorbenen in streng gotischem Duktus mit bis ins Detail porträtierten Gesichtszügen kniet vor dem Gekreuzigten, der in seiner Gestaltung bereits die Formen der beginnenden Renaissance zeigt.

Sandsteinepitaph des Bischofs v. Bülow

Sandsteinepitaph des Bischofs v. Bülow

Die vergangenen Jahrhunderte sind nicht spurlos an dieser schönen Grabplatte vorüber gegangen. Gravierende Verluste an den Armen des Schmerzensmannes, an der Mitra und Nase des Bischofs sowie am bischöflichen Wappen deuten auf gewaltsame Beschädigungen in alter Zeit hin. 1910, im Rahmen einer umfangreichen Renovierung des Domes wurden diese Fehlstellen mit den zu jener Zeit gebräuchlichen Materialien rekonstruiert und die gesamte Grabplatte mit einem hellgrauen Anstrich versehen.

Die heutige Restaurierung setzt ihren Schwerpunkt auf die Abnahme des grauen Anstrichs von 1910 und die Erhaltung der vorhandenen Fassungsreste. Die Fülle der noch unter diesem Anstrich vorhandenen Fassungsfragmente von 1523 vermittelt uns einen umfassenden Eindruck der gemäldehaften Farbigkeit der Grabplatte.

Des weiteren wurden alle Gipsergänzungen der Restaurierung von 1910 mit ihren stark korrodierten Eisenarmierungen entfernt und durch Rekonstruktion in der dem Original angepassten Linienführung der Ergänzungen von 1910 in einem dem Sandstein adäquaten Ergänzungsmaterial ohne Armierungen ersetzt. (Verf. Klaus Krupinski)

Der Barockaltar

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Der Barockaltar - eine Dauerleihgabe aus der Mönchenkirche Jüterbog

Der Barockaltar – eine Dauerleihgabe aus der Mönchenkirche Jüterbog

Auf Grund der Zerstörungen im 2. Weltkrieg war im Fürstenwalder Dom kein Altar mehr vorhanden. Der heutige Hauptaltar des Domes stammt aus der Mönchenkirche Jüterbog. Mit dem Ende der Nutzung der Jüterboger Mönchenkirche als Pfarrkirche im Jahre 1963 hatte der Verfall des Bauwerkes und damit einhergehend auch des Altars, der noch in der als Lager für Baumaterial und Schulmöbel genutzten Kirche verblieb, begonnen. Anfang der 80er Jahre begann die Rekonstruktion der Mönchenkirche unter der Konzeption einer späteren Nutzung als Bibliothek. In dieser Zeit wurde der Altar abgebaut und in Einzelteilen nach Fürstenwalde transportiert.

Über die Entstehungsgeschichte und das Schicksal des Jüterboger Altars der Mönchenkirche gibt es kaum Archivmaterial. Weder der Autor (Bildhauer) noch der Stifter sind urkundlich belegt. Die Angaben beziehen sich immer auf Überlieferungen . Als Entstehungszeit wird 1710 und 1711 angegeben.

Im „Dehio – Bezirke Berlin/DDR und Potsdam“ wird als Autor des Altars Johann Christoph Schütze genannt. Diese Angabe findet sich ebenfalls in „Bau- und Kunstdenkmale in der DDR/ Bezirk Potsdam“. Welcher Quelle diese Angaben entnommen sind, ist nicht nachvollziehbar.

Altar und Sakramentshaus von Südwesten gesehen

Altar und Sakramentshaus von Südwesten gesehen

Von 1719 bis 1745 war Schütze Landesbaumeister der Herzöge von Sachsen – Weißenfels in Zerbst. Weiterhin sind Angaben zu seiner Tätigkeit als Maler gemacht. Der Jüterboger Altar bzw. eine Tätigkeit als Bildhauer überhaupt findet sich in der Personenbeschreibung nicht. Was auch nicht verwundert, zumal der Altar inschriftlich 1711 entstand. Schütze muss zu dieser Zeit ein ganz junger Mann gewesen sein. Um einen so qualitätvollen Altar, wie den aus Jüterbog zu schaffen, bedarf es jedoch einer Menge Erfahrung und meisterlichen, handwerklichen Könnens. Die Authentizität der Autorenangabe kann unter diesem Gesichtspunkt in Zweifel gezogen werden.

Im Archivmaterial der Mönchenkirche fand sich bisher kein Hinweis auf den Namen des Autors. Lediglich der Vermerk in dem Kirchenbericht des M. Olearius vom 5. Dezember 1710: „Am neuen Altar wird von einem Bildhauer aus Berlin ….gearbeitet“, lässt auf die Herkunft des Bildhauers schließen.

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Der Jüterboger Altar ist ein typischer Hochaltar des frühen 18. Jahrhunderts. Der hölzerne Architekturaufbau erhebt sich über einem gemauerten und verputzten Sockel und erreicht eine Höhe von 8 m. Seine Breite beträgt etwa 4 m. Über dem Sockel befinden sich links und rechts der Predella vier Postamente, auf denen Säulen stehen, die inneren beiden treten etwas hervor.

Die Füllungen der äußeren Postamente enthalten folgende Schriftzüge: links: „Verflucht sey, wer nicht alle Wort dieses Gesetzes erfüllet“, rechts: „Thut Buße und glaubet an das Evangelium“. Links bzw. Rechts von diesen Postamenten sind die Konsolen angebracht, auf denen die Freifiguren in nahezu Lebensgröße stehen: links Moses, rechts Johannes der Täufer.

Die Predella enthielt ursprünglich ein Gemälde, das heute nicht mehr vorhanden ist. Über der Predella schwingt das Gesims des Unterbaus etwas an und bricht in zwei Voluten auf, die an eine kleine Kartusche mit einem Monogramm, möglicherweise die Initialen des Stifters Johann Flemming, anstoßen.

Engelsfigur mit Schriftzug

Engelsfigur mit Schriftzug

Auf den Postamenten ruhen jeweils auf einer Plinthe die vier Säulen, die beiden inneren weiter vorn angeordnet und hinter ihnen, leicht nach außen versetzt, ähnlich gestaltete Pilaster. Diese schließen, wie auch die Säulen, mit einem Schaftring ab, über dem das Akanthus-Volutenkapitell folgt.

Darüber baut sich ein breites, über den Säulen stark verkröpftes Gesims mit gesprengten Giebel auf, das ein Schriftband mit vergoldeten Buchstaben auf schwarzem Grund enthält. Der Text lautet: „Fürwahr Er trug unser Krankheit und lud auf sich unser Schmerzen“. In der Mitte auf dem Schriftband ist eine Engelsmaske angebracht. Über dem gesprengten Giebel thront die Strahlenglorie, in deren Mitte in hebräischer Schrift das Wort „Jahwe“ (Gott) geschrieben steht. Davor, auf dem Gebälk des gesprengten Giebels, sitzen zwei Engelsfiguren, die je ein aufgeschlagenes Buch in den Händen halten, links mit dem Schriftzug: „Das Gesetz ist durch Mosen gegeben“ sowie rechts: „Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum worden“.

Oberhalb der Strahlenglorie befindet sich hinter dieser ein gesprengter Dreiecksgiebel, aus dem ein Obelisk emporragt, der in vergoldeter Schrift die Worte: „Heilig! Heilig! Heilig!“ trägt.

Auf dem Giebel sitzen links und rechts des Obelisken zwei kleine, in den Raum greifende Putten, die eine die Posaune blasend. Ähnliche Engelsfiguren stehen auf dem Hauptgesims rechts und links neben den Engeln.

Den Mittelteil des Altars bildet die Darstellung des Gekreuzigten Jesus vor einem gemalten Hintergrund mit der Ansicht Jerusalems. Zu Füßen des Kreuzes befinden sich zwei kleine Putten, die sich auf der Platte über der Monogrammkartusche, auf der, wie in einer alten Abbildung zu erkennen, ein Totenschädel abgelegt war, abzustützen scheinen.

Gesamtansicht von der Empore

Gesamtansicht von der Empore

Altar in Gesamtansicht

Altar in Gesamtansicht

Die Farbigkeit des Altars stellt, wie im Barock üblich, eine Steinimitation dar. Sämtliches ornamentales und figürliches Schnitzwerk, dazu gehören die Figuren, Kapitelle und das Blattwerk, waren in der Originalfassung weißlich grau, ähnlich Sand- oder Kalkstein. Farbige Akzente wurden gesetzt durch die Marmorierung der Architekturteile in rötlich grauen und ocker rötlichen Farbtönen sowie Vergoldungen an der Strahlenglorie, der Engelsposaune, der Profilleisten um das Mittelbild, der Sockel der Säulen und Pilaster und der Buchstaben.

In der letzten Farbfassung kehrt sich dieses Prinzip um. Hier sind die Figuren stark farbig gefasst, die Architekturteile hingegen nur dezent hellgrau marmoriert. Die Vergoldungen wurden nur zum Teil beibehalten.

In Abstimmung mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Auftraggeber wurde beschlossen, dass die Restaurierung des Altars das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder herstellen sollte.

(Verf.Kollegium der Restauratoren Marita Reincke)

Die Sakristei und der Bibliotheksanbau

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Der Nordostanbau ist sicherlich die interessanteste Stelle der ganzen Kirche. Er birgt die ältesten Teile des Baus; aber durch mehrfache Umbauten ist die Interpretation im Einzelnen erschwert. So wird hier auch das letzte Wort dazu noch nicht gesagt sein: Es kann nur eine undetaillierte Bestandsaufnahme dessen erfolgen, was wir sehen, was wir wissen und was wir daraus schließen können.

Nordseite mit Sakristei - früherer Zustand

Nordseite mit Sakristei – früherer Zustand

Beschreiben wir also zunächst das Wahrnehmbare: Die Sakristei, nördlich an den Chor angebaut, liegt tiefer als die anderen Teile der Kirche. Die Decke besteht aus vier Kreuzgewölben, deren Rippen ein birnenförmiges Profil haben. Die Mauern enthalten im unteren Teil Feldsteine und sind in diesem Bereich erheblich dicker als die oberen Wände.

Im Innern gibt es zwei Lavabos (steinerne Becken zur Handwaschung der Priester vor der Messe) in verschiedener Höhe. Sie sind in die Außenmauer eingelassen und hatten einen Abfluss zur Straße.

Beider Abfluss liegt jetzt unterhalb des Kirchplatzniveaus. Auch die Konsolen, die das Gewölbe der Sakristei tragen, sind stilistisch nicht einheitlich und müssen aus verschiedenen Zeiten herrühren.

Die Bibliothek, der Raum über der Sakristei, lässt erkennen, dass die Decke zuvor niedriger war. Der Ansatz der Fensterbögen zeigt eine ursprünglich flachere Bogenform an. Zudem bezeichnen einige erhalten gebliebene Konsolen die Höhe einer ehemals tiefer gelegenen Decke.

Nordseite - heutiger Zustand

Nordseite – heutiger Zustand

Über die Baugeschichte gibt es leider nur wenige und meist ungenaue Aussagen. Der untere Raum diente bis zum Verfall der Kirche im 18. Jahrhundert als Sakristei. Bei dem barocken Umbau durch Boumann 1754 wurde die Sakristei wegen des vor der Südempore aufgestellten Kanzelaltars in den südlichen Anbau verlegt, wo sie auch nach der Restaurierung von 1908-10 noch verblieb. Der fortan als „alte Sakristei“ bezeichnete Raum im Nordostanbau wurde dagegen um 1890 mit dem Einbau einer Dampfheizung zum Heizraum degradiert.

Im oberen Geschoß, der Bibliothek, sind beim jetzigen Wiederaufbau zum Chor hin zwei große Spitzbogenfenster geöffnet worden, die davor zugemauert waren. Sie lockern den Bibliotheksraum nach Süden auf. Außen befinden sich an der Nordwand 8 Blendfenster, die erst aus der Restaurierungsperiode von 1908-10 stammen.

In Auswertung der genannten Beobachtungen lassen sich einige Folgerungen ableiten: Vom ältesten Bau des 13. Jahrhunderts könnte der untere Teil des Feldsteinmauerwerks bis oberhalb der nördlichen Strebepfeiler erhalten geblieben sein. Aus dieser Zeit werden auch die beiden Konsolmasken mit den kreisrunden Augen und das untere Lavabo herrühren. Das zweite, höher angebrachte Lavabo und einige Ansätze von ursprünglich tiefer sitzenden Gewölben bezeugen einen frühen, zeitlich nicht sicher erfassbaren Umbau.

Der Bibliotheksraum wurde wahrscheinlich nach 1446 errichtet und könnte unter Bischoff Friedrich Sesselmann durch die Schließung der Fenster zur Kirche hin sowie durch ein neues, höher angebrachtes Deckengewölbe zu dessen privater Hauskapelle umgebaut worden sein.

Seit der Renovierung der Sakristei befindet sich diese wieder im unteren Raum des Nordostanbaus und die Dombibliothek darüber. Damit nimmt man mit der Nutzung die traditionellen Funktionen der Räume wieder auf. So wird Bewährtes bewahrt. (Verf. Dr. Christa Richter)

Die Orgeln im Dom

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Bis zum Jahre 1576 hatte der St. Marien Dom zwei Orgeln, die aber einem großen Stadtbrand zum Opfer fielen. Genaueres lässt sich über diese Instrumente aber nicht sagen. Von 1590 – 1592 baute der Orgelbauer Martin Grabow, der zeitweilig seine Werkstatt auch in Fürstenwalde hatte, eine Orgel, die 1756 bei der tota­len Renovation abgerissen werden musste.

Orgel um 1919

Orgel um 1919

Der berühmte Orgelbauer Gottlieb Scholtze aus Neruppin stellte im Jahre 1772 einen Orgelneubau (drei-manualig, Pedal, 46 klingende Stimmen) fertig. Der Pro­spekt dieser schönen Orgel wurde bei einem erneuten Neubau (1908-10) beibehalten. Dieser wurde von der Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt (Oder) erstellt und von dem fast achtzigjährigen Wilhelm Sauer als dessen letztes Werk nach dem Einweihungskonzert einer brei­ten Öffentlichkeit erläutert. Wir wissen, dass dieses Instru­ment ebenfalls drei Manuale, Pedal und 50 klingende Stimmen besaß und von dem Rendanten Fritz Grasnick gestiftet wurde. Bei der Zerstörung des Domes im April 1945 wurde diese Orgel ebenfalls total zerstört. In der seit dem Krieg genutzten Domnotkirche baute Sauer 1953 eine Orgel mit 17 Registern auf zwei Manualen und Pedal, ein kleines dreiregistriges Portativ steht eben­falls dort.

Kleine Orgel der Orgel­baufirma Sauer

Kleine Orgel der Orgel­baufirma Sauer

Rechtzeitig zur Domeinweihung im Jahre 1995 wurde von der Orgel­baufirma Sauer eine kleine, fahrbare Orgel geliefert. Sie hat mechanische Spiel- und Registertraktur sowie drei Koppeln.

Die große Domorgel wurde von der Firma Schuke aus Potsdam erbaut. Das Instrument ist eine Orgel, die ursprünglich 1967 auf der Nordempore der Thomaskirche in Leipzig erbaut wurde. Nachdem dieses Instrument der neuen Bach-Orgel der Thomaskirche weichen musste, wurde sie vorübergehend zwischengelagert und an die Domgemeinde Fürstenwalde verkauft. Für den Einbau in den Dom St. Marien wurde die Orgel neu konzipiert und die Disposition auf 69 Register auf vier Manualen und Pedal erweitert. Um mehr über die große Domorgel auf der obersten Westempore zu erfahren, klicken Sie bitte hier. (Verf. KMD Georg Popp)

Die Dombibliothek in Fürstenwalde

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Wer von einer Dombibliothek hört, denkt an die wertvollen, reich geschmückten Handschriften und umfangreichen theologischen Drucke, wie sie etwa in Brandenburg oder Halberstadt aufbewahrt und gezeigt werden. Eine Sammlung dieser Art muss es im Bistum Lebus und an seinem Dom in Fürstenwalde auch gegeben haben. Vor Ort hat sie sich aber nicht erhalten. Einige Handschriften werden in Berlin und Breslau aufbewahrt.

Bibliothek vor 1945

Bibliothek vor 1945

Als das katholische Bistum mit der Einführung der Reformation endete und der Dom evangelische Stadtkirche St. Marien wurde, musste für den Dienst der evangelischen Prediger und Lehrer eine Bibliothek geschaffen werden, um ihnen das geistige Handwerkszeug zu vermitteln. Luther hatte dazu aufgerufen, und in vielen Städten wurden in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts Kirchen- oder Pfarrbibliotheken gegründet. Das geschah auch in Fürstenwalde, als der evangelische Domherr Martin Wobeligk 1576 seine Bücher der Gemeinde vermachte. Auf dieser Grundlage ist sicher weitergebaut worden, doch haben sich von dieser Sammlung nur einige Bände der großen Gesamtausgabe von Luthers Werken aus dem 16. Jahrhundert erhalten.

Die Basis der heutigen Bibliothek ist die ganz persönliche Büchersammlung von Magister Ernst Friedrich Quistorp (1689-1762), einem Pfarrer des 18. Jahrhunderts, der von dem Bildungs- und Sammeleifer seiner Zeit angesteckt war. Er wirkte in dem sächsischen Ort Gehren, stammte aber aus Fürstenwalde und hat dort sicher auch die alte protestantische Kirchenbibliothek kennengelernt. Ihr vermachte er daher seine wertvolle Sammlung. Die etwa 250 erhaltenen Bände zeigen, dass Quistorp etwas von dem Wert seltener Bücher verstand und seine Kenntnisse am Anfang der Bücher auch notierte. Mit Schenkungen an die Bibliothek hat er Vorläufer und Nachfolger gehabt. So kamen aus der angesehenen Fürstenwalder Familie Bernhardi um 1700 verschiedene Bände in die Bibliothek.

In der Bibliothek sind alle Bereiche der Theologie vertreten. Natürlich hat man verschiedene Bibelausgaben gesammelt, auch in den Ursprachen Hebräisch und Griechisch. 60 Exemplare sind zusammengekommen und ebenso viele Gesangbücher, von denen das älteste aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Besonderen Wert erhält die Bibliothek durch das Kleinschrifttum. Leider haben sich von den 658 Leichenpredigten und 180 Traureden nur wenige Exemplare erhalten. Durch gute Verzeichnisse blieben wenigstens die Familiendaten aus diesen Schriften erhalten. Der Fürstenwalder Superintendent Moritz Baumann (1694 – 1771) hat seine handschriftlichen Predigtaufzeichnungen in 46 Bänden hinterlassen. Wer das studiert, kann sicher über die Situation in der Stadt Fürstenwalde und im Lande Brandenburg manches erfahren. Auch die gedruckten Predigten des Berliner Propstes Johann Gustav Reinbeck (1683-1741) wurden gesammelt und zusammengebunden. Durch ihre Broschüren lernt man die geistigen Bemühungen der Fürstenwalder Pfarrer Georg Friedrich Gottlob Goltz (1802-1852) und Franz Kornrumpf (1861 -1942) kennen.

Im Jahre 1903 soll die Bibliothek 2200 Bände gehabt haben, darunter 540 Schriften aus dem Zeitalter der Reformation. Bei der Zerstörung des Domes im April 1945 wurde die Bibliothek, die im oberen Teil des Sakristeianbaus ihren Platz hatte, schwer beschädigt. Vielen Büchern sieht man noch heute an, dass sie im Schutt gelegen haben. Da alles frei zugänglich war, kamen auch viele Bücher abhanden. Ein Teil wurde vom Heimatmuseum aufgenommen und erst 1991 vollständig an die Domgemeinde zurückgegeben.

Bibliothek im Nordanbau

Bibliothek im Nordanbau

Auf diese Weise ist die Sammlung auf 350 Bände mit 1015 Titeln, d.h. etwa ein Sechstel des alten Bestandes, zusammengeschmolzen. Sie besitzt jedoch heute noch einen Druck aus der Frühzeit der Letternkunst, die Legende von der heiligen Margarete, 166 Schriften aus der Reformationszeit und über 500 Titel aus den beiden folgenden Jahrhunderten.

Durch einen bedeutenden Zugewinn wurde der Verlust, den die Kirchenbibliothek erlitten hatte, gemildert. Die seit 1790 in Steinhöfel ansässige Familie von Massow besaß in ihrem Gutshaus eine große, wertvolle Bibliothek, die besonders das Bildungsgut des 18. Und 19. Jahrhunderts bewahrte. 1965 kamen die nach dem Krieg geretteten Bücher in die Obhut der Dombibliothek. Nach der Wende hat die Familie von Massow diese Bemühungen der Kirche anerkannt und die Bücher als Dauerleihgabe in der Kirche belassen. Dadurch wird einmal bezeugt, dass die evangelische Kirche auch ein Hort des allgemeinen geistigen Lebens gewesen ist. Das haben zum Beispiel die Dichterlesungen in den Kirchen während der sozialistischen Zeit gezeigt. Die Kirche aber kann durch die Bewahrung einer der wenigen in Brandenburg erhaltenen Gutsbibliotheken andeuten, was sie den Kirchenpatronen in der nationalsozialistischen Zeit zu verdanken hat, die der Bekennenden Kirche gegen das deutschchristliche Kirchenregiment beistanden.

Eine Bibliothek braucht Menschen mit drei verschiedenen Interessen. Die einen schaffen Bücher an oder stiften sie. Davon war eben die Rede. Die anderen pflegen und bewahren sie wie der Pfarrer Robert Körner (1833-1902), der die Bibliothek neu geordnet und katalogisiert hat, wie Rudolf Fähndrich, der die Leichenpredigten erforschte, wie die Lehrerin Irmgard Caspar, die nach 1945 die Bücher sorgsam verwahrt und Neueres gesammelt hat, und wie Frau Hannelore Dörschmann, die in den letzten Jahren alles in schönste Ordnung gebracht und so katalogisiert hat, dass die Forschung dadurch Zugang zu der Bibliothek gewinnt. Gebraucht werden aber auch Benutzer, Menschen, die das alte Buch bestaunen und würdigen, und solche, die es studieren und tiefer in die Vergangenheit eindringen wollen. Auf sie alle wartet die Bibliothek, die in würdiger Gestalt im alten Bibliotheksanbau wieder aufgestellt wurde. (Verf. OKR i.R. Dr. Konrad v. Rabenau)

Was sich im Erdreich des Domes verbirgt

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Im Zuge der Bauarbeiten waren auch verschiedene kleinere archäologische Untersuchungen im Dom notwendig. Alte Schriftstücke und die Erkenntnisse, die beim großen Umbau des Domes zwischen 1908 und 1910 gewonnen wurden, runden das Bild von der Baugeschichte unseres Domes ab.

Aus einer Vielzahl von Befunden leitet sich nun ab, dass der 1432 zerstörte Vorgängerbau des Domes nicht wesentlich kleiner als das heutige Bauwerk war. Das zeugt von einer stattlichen Wirtschaftskraft des mittelalterlichen Fürstenwalde. Anschaulicher und in dieser kurzen Form verständlicher sind viele kleine Funde und Befunde aus dem Dom. Sie kamen z.B. während der Sanierung der Fundamente an der Außenseite zu Tage. Hierbei wurde u.a. die Sickergrube sichtbar, die zu dem Ausgußstein in der alten Sakristei gehörte.

Auch eine gemauerte Gruft trat in diesem Zusammenhang zutage. Leider hatten bereits über Nacht Schatzgräber begonnen, die Gruft aufzubrechen. Das zwang zu einer sofortigen Untersuchung durch das Museum, um weitere Beeinträchtigungen zu verhindern. Mit schwarzer Farbe war an der Stirnseite die Verstorbene genannt. Es handelte sich um die Tochter des Jägers Schultze, die 1736 (?) verstarb. Die Gruft war jedoch leer. Auf dem Boden lagen lediglich noch kleine Teile einer Totenkrone. Es bedarf sicher noch längerer archivalischer Forschung, um die Umstände zu klären, weshalb das Grab leer war.

Würfel und Schreibgriffel für Wachstafeln (13./14. Jhd.) - Funde aus der Füllerde zwischen den Gräbern im südwestlichen Teil des Kirchenschiffs

Würfel und Schreibgriffel für Wachstafeln (13./14. Jhd.) – Funde aus der Füllerde zwischen den Gräbern im südwestlichen Teil des Kirchenschiffs

Auch im Inneren des Domes mussten einige Bereiche für Fundamentarbeiten und für die Heizungsanlage ausgegraben werden. Selbstverständlich befinden sich auch im Dominneren Gräber. An dieser Stelle soll nur von den Gräbern des 17. und 18. Jahrhunderts die Rede sein. Fünf Grüfte wurden 1991 und 1992 untersucht. Wie wichtig die sofortige Untersuchung und Bergung war, zeigt ein trauriges Beispiel: Über Nacht wurde im Dom eingebrochen und eine „schwarze Messe“ gefeiert. In diesem Zusammenhang wurde der Inhalt einer gerade geöffneten Gruft angezündet und durcheinandergeworfen. Das vollständig erhaltene Kleid mit einem Besatz aus silberner Borte wurde dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Kopfkissen dieser Dame war nicht wie üblich mit Hobelspänen gefüllt, sondern mit Blütenblättern.

Rasierpinsel

Rasierpinsel

In einer anderen Gruft hatte ein Verstorbener als Beigabe ein kleines Glastöpfchen zwischen den Füßen. Einer weiteren Person war ein Rasierpinsel beigegeben worden. Durch das Anlegen von Grabgruben gelangte manch ein Gegenstand in die Erde, der zu früheren Bestattungen gehörte. Knöpfe, Nadeln, Ösen und Haken sind die häufigsten Trachtbestandteile, mit denen die Erde durchsetzt ist. Dort fand sich aber auch ein mittelalterlicher Schreibgriffel und ein Würfel aus Knochen, die wohl einst in der Kirche verloren wurden. Die Bruchstücke von Tonpfeifen und von Tongefäßen werden wohl eher dem Totengräber oder Bauarbeitern zuzuweisen sein.

Diese Kleinfunde zeichnen ein lebendiges Bild von den Menschen in Fürstenwalde.

Die Bauarbeiter hatten in jüngerer Zeit mehrmals das Pech, beim Stellen von Rüstpfählen in Grüfte zu geraten. Im Jahre 1909 schloss der Maurer Otto Walter nicht nur das Gewölbe der Gruft fachmännisch, sondern hinterließ auch noch eine Flaschenpost, auf der alle Beteiligten genannt werden.

Kulturgeschichtlich interessant ist auch das jüngste Grab im Dominneren. Es lag sehr flach, gleich unter dem Fußboden. Die gemauerten Wände waren mit frommen Sprüchen in schwarzer Farbe geziert.

Nach der Form der Buchstaben zu urteilen, ist die Gruft um 1850 angelegt worden. Weil der Friedhof um den Dom bereits 1822 geschlossen wurde, muss man davon ausgehen, dass hier jemandem ein Sonderwunsch erfüllt wurde. Dieses Grab liegt außerdem vor dem Altar, genau in der Mitte des Kirchenschiffes an einer besonders bevorzugten Stelle.

Hier liegen auch einige Bischöfe des Bistums Lebus begraben. Ein solches Bischofsgrab wurde beim Ausheben der Grabgrube auch berührt, denn an der Südseite der Gruft ragt eine Reihe mächtiger Feldsteine in das Innere. 1754 wurde das Kircheninnere aufgefüllt und der Fußboden höher gelegt. Als Füllstoff diente Bauschutt. In diesem Schutt befinden sich auch zerbrochene Grabsteine und andere Architekturteile des Mittelalters.

Wie bei fast jeder Ausgrabung in einer Kirche wurde Kleingeld gefunden, welches den Klingelbeutel nicht erreichte, sondern vorher in den Fußboden eingetreten wurde. Diese Funde und noch vieles andere warten noch auf eine gründliche Auswertung durch Vergleiche, naturwissenschaftliche Untersuchungen usw. Dann erzählt jeder einzelne Gegenstand noch viel ausführlicher seine Geschichte und damit auch die Geschichte der Stadt und ihrer Domgemeinde. (Verf. Florian Wilke)

Der Domturm mit Domuhr und Glocken

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Turm in seinem gegenwärtigen Zustand

Turm in seinem gegenwärtigen Zustand

Schon die ältesten Stadtansichten zeigen, dass neben dem Hauptturm (mit je nach Zeitgeschmack ausgebildeter Haube) zwei Seitentürme stehen. Bei der Neuverputzung der Turmfront 1992/93 wurde unter den alten Putzschichten gotisches Ziegelmauerwerk gefunden mit einem Schmuckband aus schwarzlasierten Ziegeln.

Bei der Zerstörung der Vorgängerkirche durch die Hussiten im Juli 1432 muss auch der damalige Turm so in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass die Glocke (Glocken?) abstürzten, denn bei den Baggerarbeiten im Dom wurde 1990 die Stelle gefunden, an der eine Glocke in ein Grab gestürzt war. Es lag dort auch noch eine Menge kleiner Bruchstücke Bronze herum. Auch nach dem Neubau des Domes ab 1446 erlitt besonders der Turm mehrere schlimme Schadensfälle: Am 28. April 1576 zündete ein Blitz im Turm und vernichtete durch den nachfolgenden Brand Glocken, Kirchdach, die zwei Orgeln(!), das Bischofsschloss und 90 Häuser.

1730 war dann der Turm wieder so baufällig, dass man seinen Abriss erwog. Ehe es aber dazu kam, stürzte der Turm 1731 ein. Die Bauzeichnung für den Turmaufbau aus dem 1733 ist im Kreisarchiv noch vorhanden. Aber der Aufbau zog sich über Jahre hin (auch damals gab es Bau-Bürokratie und Gerangel wegen der Zuständigkeiten!).

1754 war die Kirche repariert, im Frühjahr 1755 der Turm endlich fertig. Aber bereits im Dezember 1755 musste der Bürgermeister feststellen, dass die Maurerarbeit am Turm sehr schlecht ausgeführt wurde und bereits Steine herabzufallen drohten, woraufhin zunächst einmal die Bezahlung von Baurechnungen gestoppt wurde. Weit schlimmer aber war, dass im Frühjahr 1766 der Blitz erneut in den Turm einschlug und zündete. Dieses Mal zerschlugen Trümmer Dach, Gewölbe, Kanzel und Kirchgestühl. Aber der Wiederaufbau gelang schneller: 1767 waren Turm und Kirche wieder benutzbar.

Auch bei der großen Kirchenrenovierung 1908-10 wurde der Turm wieder saniert. Seine Höhe bis zum Stern über der Wetterfahne betrug damals 72 m.

Turmuhr vor Restaurierung, 1992

Turmuhr vor Restaurierung, 1992

Im April 1945 brannte der Turm (wie der ganze Dom) erneut. Nach dem Wiederaufbau beträgt seine Höhe nunmehr 68 m bis zum Kreuz. Für dieses Kreuz hatte sich der Gemeindekirchenrat entschieden, als nach der ersten Nachkriegsrekonstruktion der 50er Jahre der Turm 1990-93 erneut eingedeckt werden musste (diesmal mit Kupferblech und mit Sanierputz versehen wurde. Die Reste der bei der Enttrümmerung gefundenen ehemaligen Wetterfahne mit dem Stadtwappen sind noch im Dom zu sehen.

Wann erstmals eine Turmuhr im Domturm die Zeit anzeigte, ist nicht belegt. 1755 wird von den Kosten einer neuen Uhr berichtet: 80 Taler sind in der Akte vermerkt.

Turmuhr nach der Restaurierung, 1992

Turmuhr nach der Restaurierung, 1992

Als nach der 1945er Kriegszerstörung wieder eine Uhr in den Turm eingebaut werden konnte, wurde zunächst ein elektrisch gesteuertes Werk der Firma Hörz-Ulm verwendet. Bei der letzten Rekonstruktion wurde dieses Werk, das im Laufe der fast drei Jahrzehnte schon recht störanfällig geworden war, durch ein funkelektronisch gesteuertes Werk ersetzt. Die Zeitsignale kommen vom Funkamt Braunschweig.

Von ganz besonderer Art sind die Ziffernblätter: Es handelt sich nicht um die üblichen Blechscheiben mit aufgemalten Scheiben, sondern um sehr große Sandsteinquadern, in welche die Ziffern von Steinmetzen eingearbeitet sind! Diese seltene Gestaltung rührt offenbar aus der Bauzeit 1767 her; damals wurden wohl auch die Chronosköpfe über den vier Ziffernblättern angebracht. Dabei handelt es sich um sehr qualitätsvolle Sandsteinarbeiten, die einen Vergleich mit den „Masken der sterbenden Krieger“ von Andreas Schlüter am Berliner Zeughaus nicht zu scheuen brauchen. Das Äußere des Turms, so wie es heute weithin sichtbar ist, von welcher Seite man auch immer nach Fürstenwalde kommt passt eigentlich nicht zum gotischen Ursprung des Domes. Dennoch haben sich die Fürstenwalder Einwohner inzwischen an seinen barocken Baustil gewöhnt.

Dass vom Domturm aus seit unausdenklich langen Zeiten Glocken ins Land und die Stadt läuteten, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Absturzstelle der Glocke von 1432 gefunden wurde. Wann im Zusammenhang mit dem Dombau ab 1446 neue Glocken in den Turm kamen, ist offen. Aber bei dem Turmbrand 1576 erlitten auch die Glocken wieder Schaden. Hans Ziedler (oder Zeidler) aus Nürnberg goss 1604 eine neue große Glocke. Offenbar auf diese bezieht sich 1684 die Bemerkung des damaligen Bürgermeisters Lotichius, dass die große Glocke wegen eines großen Bruches Klang und Schall gänzlich verloren hat. Daneben gab es aber noch vier andere Glocken (einschließlich Klingel und Uhrglocke). Immerhin findet sich in der Reimchronik des Bürgermeisters Lotichius von 1679 ein Loblied auf das Geläut des Domes.

Überführung der Glocke am 12. November 1925 zur Domkirche

Überführung der Glocke am 12. November 1925 zur Domkirche

Nach dem Turmbrand von 1766 goss der Glockengießer Thiele aus Berlin drei neue Glocken. Sie waren auf die Töne „c“, „e“ und „a“ gestimmt und wogen 44,22 und 11 Zentner.

Noch am 7. 10.1918 musste die mittlere Glocke für Kriegszwecke abgeliefert werden. Sie konnte 1925 durch eine in der bekannten Glockengießerei Schilling-Apolda gegossene Glocke ersetzt werden.

Diese Glocke und eine der Glocken von 1775 wurden dann wieder für den 2. Weltkrieg 1942 vom Turm geholt. Glücklicherweise kam die Glocke von 1775 nicht zur Einschmelzung; sie fand sich nach Kriegsende auf dem „Glockenfriedhof“ in Hamburg an. Von der im Dom verbliebenen Glocke fand sich bei den Enttrümmerungsarbeiten nur noch ein Bruchstück, zufälligerweise mit dem Gussjahr „1775″.

Die zurückgeholte Glocke wurde 1950 zunächst in einem provisorischen Glockenstuhl an der Domnotkirche aufgehängt. 1956 konnte sie wieder in den inzwischen aufgebauten Domturm kommen.

Das Geläut wurde im gleichen Jahr durch zwei Stahlgussglocken (wieder von der Firma Schilling-Apolda) ergänzt.

Glockenstuhl im Jahr der Wiedereinweihung des Domes 1995

Glockenstuhl im Jahr der Wiedereinweihung des Domes 1995

So besteht das Dom-Geläut nun aus
Großer Glocke (Bronze) von 1774          Ton h°
mittlerer Glocke (Stahl) von 1956             Ton d – nach cis tendierend
kleiner Glocke (Stahl) von 1956               Ton e.

Die Stahlgussglocken tragen die Inschriften: „Dienet dem Herrn mit Freuden“ und „Gott allein die Ehre“. Auf der Glocke von 1774 sind die Namen der damaligen Kirchenvorsteher und der Ratsangehörigen zu lesen. (Verf. Günter Kuhn Sup. i. R.)

Weiterführende Links zum Dom St. Marien finden Sie in der Rubrik Links.

(Anmerkung: Teile dieser Seite wurde nach einem Text, entnommen der “Festschrift zur Wiedereinweihung des St. Marien Domes zu Fürstenwalde”, 1995, geschrieben)