Bericht von der 47. Chorfahrt (22.08.-03.09. 2016) der Kinder- und Jugendkantorei Fürstenwalde nach Rheinland, Baden-Württemberg, Schweiz, Bayern, Thüringen und Berlin

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Programm des Abschlusskonzertes der 47. Chorfahrt

(→ zur Bildergalerie) Am Morgen des 22. August trafen sich 22 erwartungsfrohe Kinder und Jugendliche am Dom, um alles Gepäck und musikalischen Dinge wie Truhenorgel, Notentaschen, Ständer etc… in den Bus einzuladen. In der Chorfahrtgeschichte dieses Chores war dies sicher die oder eine der frühesten Abfahrten, denn der Mond schien noch hell über dem Domeingang, der Bus konnte um 06.09 Uhr den Domplatz verlassen. Dies musste so früh sein, weil der erste Konzertort ca. 650 km im kleinen Ort Dernbach (bei Montabaur im Rheinland) lag und dort in der Kirche des Klosters Maria Hilf das Konzert bereits um 18.00 Uhr beginnen sollte. Wie durch ein Wunder (eben doch durch Gottes gnädige Vorsehung) mussten wir in keinem einzigen Stau stehen und kamen sogar eine halbe Stunde früher als geplant an, freilich verlangten die engen Sträßchen dem Busfahrer so kurz vor dem ersten Etappenziel ganz schöne Fahr-, Lenk- und Wendekünste ab. Überhaupt haben wir den besten Busfahrer, den sich ein Chor nur wünschen kann. Natürlich musste in der recht kleinen Klosterkirche eine ausgiebige Stellprobe durchgeführt werden, dafür hatten die Schwestern für uns in der Cafeteria ein herrliches, reichhaltiges Abend Büfett aufgebaut, ganz rasch konnten wir uns im Nebenraum umziehen und dann mit dem Einzugskanon „Lass sich freuen alle, die auf dich trauen“ das erste Konzert dieser Fahrt eröffnen. Die kleine Kirche war gut gefüllt, was uns zusätzlich anspornte. Nach dem Konzert wurde alles wieder rasch in den Bus verladen, wir nahmen dankend Abschied von den sich so warmherzig um uns kümmernden Schwestern (und sollten im nächsten Jahr unbedingt wiederkommen) und fuhren nach Neuwied-Heddesdorf, wo die Quartiereltern schon auf „ihre“ Kinder warteten. Für nicht wenige von uns dürfte dieser erste Tag wieder beim Monden Schein beendet worden sein und eine lange und ruhige Nacht etwas Erholung schenken.

Am Dienstag trafen sich alle Chorsänger im katholischen Seniorenheim Josef-Ecker-Stift, wo wir zunächst in einem sehr freundlichen und hellen Wintergarten unsere kurze Morgenandacht hielten, um dann kurz das Singen auf den einzelnen Stationen abzusprechen. Wir haben für einzelne Bewohner in ihren Zimmern eine kleine Gruppe aus fünf Sängern unter der Leitung von Cornelia Popp gebildet, der Rest hat dann mit Begleitung einer Pflegekraft die vier verschiedenen Stationen besucht und dort jeweils ca. 20 Minuten gesungen. Zum Schluss haben wir noch für alle Essenden in der Cafeteria ein Ständchen gesungen. Dann wurde uns im Wintergarten Lasagne bzw. Nudel-Käseauflauf mit einem Dessert serviert. Nach einer kurzen Verschnaufpause, die auch nötig war, weil wir uneingesungen fast zwei volle Stunden singend auf den Stationen verbrachten, brachte uns der Bus mitsamt Musikalien zur Kirche, wo wir alles ausgeladen und aufgebaut und uns dann eine Dreiviertelstunde Mittagspause gegönnt haben. Viele haben in der wunderbar kühlen Kirche ein kurzes Mittagschläfchen gehalten oder sich die Zeit anderweitig vertrieben. Dann stand eine erste intensive Probenphase bis zum Kaffeetrinken auf dem Programm, danach wurde noch einmal geprobt und die restliche Zeit bis zum Umziehen und Einsingen mit Entspannen verbracht. Das Konzert war wieder gut besucht (sogar ein wenig mehr Zuhörer als am Vortag), die Gemeinde wurde sogar noch an zwei Stellen zum Mitsingen mit einbezogen, was ihnen sehr gut gefallen hat. Nach dem Abbau und Einladen in den Bus gab es dann im Gemeindehaus ein reichhaltiges Büfett mit verschiedensten Salaten, Fleisch und Süßspeisen, wozu alle Zuhörenden und Musizierenden herzlich eingeladen wurden. Es war ein schöner Abend, der dann vielleicht noch individuell in den einzelnen Privatquartieren ausklang.

Am nächsten Morgen trafen wir uns auf dem großen Festplatz zum Einladen, haben ein kleines Ständchen für die Quartiergeber und die beiden Geburtstagskinder Luise und Julius-Martin gesungen und sind dann nach Philippsburg weitergefahren, wo wir pünktlich eintrafen. Nach Begrüßung durch den Pfarrer wurde alles Gepäck und auch Musikalien ausgeladen und in der Kirche geprobt. Da es ein heißer Tag werden würde, waren nur wenige bei der anschließenden Mittagspause im Freien, sondern eher in der kühleren Kirche oder den Gemeinderäumen. Um 15.00 Uhr liefen wir zu Fuß in das nahe gelegene Altenheim, wo wir ein kurzes Ständchen gesungen haben. Es war ein interessanter Neubau, in dessen Aufenthaltsbereich im Erdgeschoß und auf einer Galerie darüber sich viele Bewohner eingefunden hatten und wir im Eingangsbereich zur Kapelle standen, die in der Form des griechischen Omega gebaut war. Im Gemeindehaus zurückgekehrt, erwarteten uns schon die ersten „Schlummer-Muttis“ und in kurzer Zeit waren alle Sänger bei ihren Quartiergebern untergebracht. Unter den Zuhörern war auch eine ehemalige Fürstenwalderin, die in den 90er Jahren ebenfalls auf vielen Chorfahrten mit der Kinder- und Jugendkantorei unterwegs war und zufällig von unserem Konzert gelesen hatte….wie klein doch die Welt ist. Der Abend wurde dann sicherlich noch individuell in den Privatquartieren verbracht, für die Nachtruhe gab es sogar eine Stunde mehr Zeit, da am folgenden Tag sich die Planung um eine Stunde nach „hinten“ verschoben hatte.

So trafen wir uns also am Donnerstag erst um 09.30 Uhr am Bus: hatte jeder auch seine Chor- und Badekleidung dabei? Die Fahrt nach Sinsheim durch das Rheintal und den Kraichgau war landschaftlich schön, dort angekommen luden wir wieder Musikalien in der Kirche aus hielten dort eine kleine Andacht und probten dann für das Konzert am Abend. Durch private Kontakte war es möglich, in dem Altenheim „Katharinenstift“ zu singen. Die Bewohner hatten extra ihr Mittagessen vorverlegt, um uns bei dem Ständchen zuhören zu können und haben sich auch wieder sehr gefreut. Wir sind dann zu einem Mittagessen (Spaghetti Bolognese mit Salat und Eis und reichlich kalten Getränken) in einen für uns hergerichteten Nebenraum eingeladen worden. Dann steuerten wir das direkt neben dem Katharinenstift gelegene Freibad an, das Wetter war fürs Baden sehr ideal (36°C, Sonne, strahlend blauer Himmel), weniger fürs Baden in der prallen Sonne, was einige dann erst am Abend feststellten. Am späten Nachmittag sind wir zur Kirche gelaufen, wo für uns ein Abendbrot vorbereitet war. Es war dann noch genug Zeit zum Entspannen in der angenehm kühlen Kirche. Wider Erwarten war das Konzert sehr gut besucht, es war der beste Besuch bislang. Da der Kollege Werner Freiberger uns Notenständer und Orgelpositiv angeboten hatte, konnten wir unsere Dinge im Bus lassen, der ja leider nicht bis zur Kirche fahren konnte, sondern am Bahnhof auf uns wartete. So verließen wir dann die große Kreisstadt Sinsheim um genau 21.09 Uhr und trafen auf unsere Gasteltern um 22.00 Uhr in Sinsheim. Die Nacht wurde wieder ein wenig kürzer, da wir uns am kommenden Morgen um 07.30 Uhr zur Abfahrt getroffen haben. Es stand nun die weite Fahrt nach Ascona am Lago Maggiore an und es versprach, wieder ein schöner Tag zu werden. Auf dem letzten Autohof auf bundesdeutscher Seite hat der Bus noch einmal richtig und preiswert vollgetankt, dann passierten wir ohne Probleme die Grenze (nach Zahlen der Schwerlastabgabe für Busse) und waren nun Ausländer. Da es im Bus sehr ruhig war und offenbar ein großes Schlaf-Nachholbedürfnis vorherrschte, haben nur wenige die wundervolle Landschaft und Bergwelt gesehen, die immer mal wieder von Tunneln unterbrochen wurde, zuletzt durch den 16,9 km langen St. Gotthard-Tunnel, wovor eine Mittagspause mit dem Proviant aus Philippsburg eingelegt wurde. Nach dem Durchfahren des Gotthard-Tunnels war es dann nicht mehr weit bis zum Altenheim Cinque Fonti in San Nazarro auf der gegenüberliegenden Seeseite von Ascona. Hier war ein Singen für die Bewohner wie bereits vor fünf Jahren eingeplant. Wir stellten unten im Ort jedoch schnell fest, dass der Bus nicht hochfahren konnte (Straße zu schmal und Brücke zu niedrig), sodass der Bus erst einmal wenden musste, was auf der engen Bergstraße, die sich am See entlang schlängelte, nicht möglich war. Erst an der Grenze zu Italien war ein großer Platz und die letzte Möglichkeit in buchstäblich letzter Minute. Inzwischen versuchten wir, Kontakt mit dem Altenheim zu bekommen, was nicht so einfach war, da nur die Chefin gebrochen deutsch sprach, die anderen Mitarbeiter nur italienisch. Mit den letzten „Brocken“ italienisch vom vergangenen Urlaub jedoch und Geduld wurde auch dieses Problem gelöst, schließlich schickte man uns drei PKW zum Bus, die dann zwei- oder dreimal uns nach oben zum einmalig gelegenen Altenheim fuhren. Der parkähnliche Garten mit Springbrunnen und vielen schattenspendenden Bäumen und grandiosem Blick auf den Lago Maggiore waren schon ein schöner Ausgleich zur langen Busfahrt, es gab zunächst etwas Kaltes zu Trinken und auch das eine behindertengerechte WC wurde eifrig genutzt, bevor wir dann den interessiert Wartenden Bewohnern eine halbe Stunde lang gesungen haben, zum Schluss wie auch in den Konzerten das hier nun sehr passende alt-italienische „Alta trinita beata“ eines unbekannten Meisters aus dem 16. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den Bewohnern der deutschen Altenheime waren diese hier richtig „aufgekratzt“, haben sehr laut geklatscht und begeistert Bravo gerufen. Wir haben dann noch im Garten ein bzw. zwei Eis bekommen, bevor wir zu Fuß zum Bus unten auf der Hauptstraße zurückliefen. Nun stand auf dem Plan: Einkaufen der „verderblichen“ Lebensmittel (Milch, Butter, Käse, Wurst, Brot, Obst und Gemüse), wozu wir einen Großmarkt Coop ansteuerten, weil hier der Bus gut parken konnte. Zu sechst mit genau vorher abgesprochenen (riesenhaften) Mengen und mit drei Einkaufswagen stürmten wir den Laden und fegten so manches Regal leer.

Der Frau an der Kasse wurde etwas in unserem besten italienisch von grande familia erzählt, worauf sie lächelte und das Bezahlen mit EC-Karte dieser recht ungewöhnlich hohen Summe problemlos möglich war. Da ja unser Bus am Samstag und Sonntag nicht fahren durfte, um die gesetzlich vorgeschriebene Pause einzuhalten, haben wir also als nächstes die Kirche angefahren, um alles Notwendige für Konzert und Gottesdienst (inkl. Konzertkleidung) dorthin zu bringen und sicher einzuschließen. Dann endlich wurde unser Domizil, die „Casa Eden“, angesteuert. Nachdem alles persönlichen Sachen ausgeladen waren und auch die neun großen Kisten mit Lebensmitteln und alle Saftkisten ihren Platz in Küche und Kühlschrank gefunden hatten, haben sich die Großen um die Raumeinteilung gekümmert. Währenddessen wurde das Problem des Busparkplatzes für die folgenden zwei Tage versucht, zu lösen. Die Einfahrt zur Casa Eden war 20 cm zu schmal, sehr ärgerlich. Die Rezeption konnte uns auch nicht weiterhelfen, erst die dann auf das Gelände von Casa Eden fahrende Pastorin (im Ruhestand und organisatorisch im Hintergrund), hat dem Busfahrer kurzerhand in ihrem Auto in der Stadt ein paar Alternativen gezeigt, die aber alle nicht möglich waren. Schließlich haben die beiden bei der Kantonspolizei um Erlaubnis gebeten, dass der Bus auf dem Parkplatz vor der Kirche die nächsten zwei Tage ruhen darf. Nach langer Diskussion wurde dies schließlich bewilligt und wir alle waren sehr gespannt, ob dann der Bus dort am Montagfrüh ohne Knöllchen oder Bußgeld oder Kralle von dort aus weiterfahren kann. Indessen waren auch in der Casa Eden vier Gruppen für Kochen und Spülen eingeteilt, die erste Gruppe hatte bereits ein tolles Abendbrot mit Spaghetti und Tomatensauce gezaubert. Ein mit vielen verschiedenen Erlebnissen gefüllter Tag im südlichsten Tessin ging für einige der Älteren auf der traumhaften Terrasse mit Blick auf die Berge und den Sternenhimmel zu Ende. Allerdings nutzten dieses schöne Fleckchen auch unzählige Mücken, die jedem sein individuelles Mitbringsel bescherten, was leider noch lange vorhalten sollte.

Das erste Frühstück in Casa Eden dauerte in der Vor- und vor allem Nachbereitung doch länger, als eingeplant, um 10.00 Uhr starteten alle von Casa Eden zum Fähranleger an der Uferpromenade des Lago Maggiore, wo ein Schiff bestiegen wurde. Es brachte uns in 15 Minuten bei herrlichstem Wetter zur Insel Brisago, wo ein einmaliger botanischer Garten gepflegt wird, der diese kleine Insel (Umrundung zu Fuß in 15 Minuten) zu einem besonderen und viel zu kurz dauernden Erlebnis werden ließ. Um 12.30 Uhr bestiegen wir wieder ein Schiff, um noch etwas auf dem See zu fahren und dann wieder in Ascona an Land zu gehen. Hier waren nun knapp zwei Stunden freie Zeit möglich, die jeder individuell nutzte. Man konnte auch die horrenden Preise hier am Ufer in Ascona kennenlernen: 3 Kugeln Eis 6 CHF, eine Pizza Margherita 15 CHF, eine Übernachtung im DZ im Albergo Piazza an der Uferpromenade 380 CHF. Andererseits ist die traumhafte schöne Lage dieses Lago Maggiore, umgeben von einer imposanten Bergwelt, einfach unbeschreiblich, beruhigend und entspannend. Um 15.30 Uhr machten wir uns auf, um in der Kirche alles für das abendliche Konzert aufzubauen und eine Stellprobe abzuhalten. Jedoch fehlte uns ein Adapter für die Orgel und Lampe, sodass Martin Hübner mit dem Fahrrad einer Abendbrotvorbereitungshelferin rasch zur Casa Eden fuhr, um seinen Adapter zu holen. Indessen hielten wir eine kurze Andacht und begannen dann mit der Probe. Es war in der Kirche, deren großflächige südliche Fensterseite voll von der heißen Sommersonne bestrahlt wurde, unbarmherzig heiß, was viel Kraft und Wasser kostete. Im Anschluss konnten wir das im wesentlich kühleren Nebensaal aufgebaute Abendbrot uns schmecken lassen, es gab Pizza und als Nachtisch Obst, dazu jede Menge an kühlen Getränken. Das zwar nicht sehr zahlreiche, aber dafür sehr interessierte Publikum war von unserer recht guten Leistung an diesem Abend sehr angetan und begeistert. Nach dem Konzert wurde die kleine Truhenorgel (auch liebevoll „Schnuckeltruhe“ genannt) samt Sitz und Ständern schon wieder in den Bus geladen, da wir sie am Sonntag beim Gottesdienst nicht mehr gebrauchten. Der noch junge Abend wurde dann in der kühlen Abendluft vielfältig verbracht und genutzt.

Am Sonntag, 28. August, konnten wir Rabea zum Geburtstag gratulieren, als alle in der Kirche zum Einsingen sich trafen. Der Gottesdienst begann erst um 10.30 Uhr, da der Ortspfarrer Dr. Markus Erny schon um 09.00 Uhr einen Gottesdienst oben auf dem Berg in Locarno Monti hatte. Wir haben a cappella etwas aus unserem Konzertprogramm und auch einige Kanons zusammen mit der Gemeinde gesungen, nach dem Gottesdienst uns ein wenig erfrischt und die letzten Konzertdinge dann sofort im Bus verstaut. Anschließend wanderten wir zur Uferpromenade und haben den Verleih von vier Motorbooten für zwei Stunden festgemacht. Um 14.00 Uhr standen zwei Boote für jeweils fünf Personen und zwei Boote für jeweils 7 Personen zur Verfügung. Wir haben dann die Gruppen eingeteilt und mussten auf Personenzahl und Gewicht achten. Als Kapitäne standen Elisabeth, Helene, Martin Hübner und Giorgio zur Verfügung. Zwar war die Nachmittags-Sonne sehr heiß, doch der kühle, frische Fahrtwind und das spritzende Wasser waren sehr erfrischend. Einige konnten vom Boot direkt in den See hüpfen und ein wenig baden. Es war ein einmaliges Erlebnis und hat diese kleinen Gruppen sehr zusammengeschweißt.

Nach Rückgabe der Boote und Bezahlen wanderten wir zum Casa Eden, die Abendbrot-Gruppe fing nach kurzem Verschnaufen mit den Vorbereitungen an: restliche Nudeln mit Tomatensauce für die Vegetarier und Kartoffelsuppe mit Würstchen für den Rest, als Nachtisch Joghurt. Während der Spüldienst in Aktion trat, haben einige Größere bereits die letzten Vorbereitungen für die Hochzeit getätigt. Das Paar Laura und Julius haben dann nach Spielen und Prüfungen (ob sie denn auch wirklich für den Bund der Chor-Ehe zusammenpassen) sich das „Ja-Wort“ gegeben, ein gemeinsamer Hochzeitswalzer mit gesummter Musik beendete diese immer wieder schöne Zeremonie an solch romantischer Stätte. Damit brach der letzte Abend im Tessin an, am folgenden Morgen ging es entgegen dem Plan schon um 06.00 Uhr los.

Wir konnten Ascona planmäßig verlassen, und es wurde im Bus wieder ganz friedlich und still, sodass die mondäne Bergwelt mit Schluchten, einigen Gletschern, bizarren Zacken von Bergspitzen am Morgenhimmel und Wasserfällen an vielen ungesehen vorbeirauschte. Eine Rast hielten wir auf einem sauberen und mit WC versehenen Rastplatz in solcher Natur und erreichten dann vor der geplanten Zeit Flims, fanden das Kirchgemeindehaus, was für die nächsten zwei Nächte uns Quartier bieten sollte und luden persönliche Sachen und Lebensmittel aus.

Die musikalischen Konzert-Utensilien konnten noch in die Kirche geschafft werden und dann ging es zu Fuß zum nahe gelegenen Altenheim, wo man uns schon zu einem opulenten Mittags-Menü erwartete. Ein alterfahrener Koch hatte eigens für uns ein dreigängiges Menü kredenzt, was mit einem Salat startete und einem feinen Glacé inklusive Kaffee endete. Als Hauptgang wählte er für uns eine Bündner Spezialität: Capuns. Das sind kleine „Rouladen“ aus Spätzle-Teig mit Knackwürsten in einer Mangold-Hülle an einer sehr gehaltvollen Käse-Creme mit kleinen Stückchen Bündnerfleisch. Ein für uns liebevoll vorbereiteter Raum mit Totalverglasung und Ausblick auf die Berge gab diesem einmaligen Menü den rechten Rahmen. Bevor unser Singen für die Bewohner beginnen konnte, war noch Zeit genug, sich auf der anfangs noch sonnigen Terrasse die Füße zu vertreten. Die Bewohner haben sich sehr gefreut und wir verließen das Heim, um in der Kirche die notwendige Stellprobe inklusive Tagesandacht abzuhalten. Im Kirchengemeindehaus blieb allen dann noch Zeit zum Abhängen, Chillen, Rumgammeln, bis die Abendbrotgruppe zu Tisch bat, diesmal einfach Stulle mit Brot, da wir noch sooooooooooooooo viele Vorräte hatten. Nach dem Umziehen und Einsingen mussten wir jedoch feststellen, dass es draußen regnete, sodass jeder auf schnellste Weise zur Kirche sprintete und sich alle ein wenig durchnässt dann zum Einzugskanon aufstellten. Der kleine Wermutstropfen des Tages war die sehr klägliche Zahl der Zuhörer mit Pfarrer und unserem treuen Busfahrer von 17 Personen. Auch nach dem Konzert hatte der Regen noch nicht aufgehört, sodass für den Transport der Truhenorgel erstmals die große Regenplane zum Einsatz kam. Im Kirchgemeindehaus erwartete uns als Überraschung einer treuen Seele der Gemeinde im Kühlschrank Kuchen, der zum Teil für den Abend, zum anderen Teil als Proviant für den am morgigen Tag stattfindenden Berg-Ausflug aufgeteilt wurde.

Am Morgen des Dienstags, 30. August, fanden sich alle zum Frühstück im Kirchgemeindehaus ein, Proviant wurde vorbereitet, auf die richtige und zweckmäßige Kleidung geachtet, um dann zur Talstation des Sesselliftes zu laufen. Von dort ging es zur Zwischenstation Foppa mit 2-er Sessellift, dann weiter zur Station Naraus (1842 Meter über dem Meeresspiegel). Oben angekommen wurde ein kleiner Spaziergang ein wenig in die Höhe gemacht, es gab sogar einige, die ca. 150 m höher gestiegen sind. Bei sich allmählich aufklarenden Wolken und etwas blauem Himmel mit Sonnenschein hatte jeder Zeit zur freien Verfügung. Gegen 13.00 Uhr trafen sich alle wieder an der Station, es wurde ein wenig gegessen und ein Zeitpunkt verabredet, an dem jeder im Kirchgemeindehaus sich einfinden sollte, um dann den Bus zu beladen und zum Konzert nach Disentis zu fahren. Die Fahrt durch teilweise sehr enge Ortsdurchfahrten und Baustellen dauerte eine Stunde, am Bahnhof in Disentis konnte der Bus parken, von dort aus waren es nur 400 m bis zum Gemeindezentrum Aua viva. Da wir nur unsere Chorkleidung und Notenmappen brauchten, ging der Aufbau und Stellprobe auch sehr schnell, dann haben sich alle rasch umgezogen und ein Abendbrot (Bündner Platte mit verschiedenen Wurst- und Käsesorten sowie klein geschnittenes Gemüse) bekommen. Die Instrumentalstücke des Konzertes wurden durch Kanons und Liedsätze zum gemeinsamen Singen mit den Zuhörern ausgetauscht, das Konzert dauerte auch etwas länger und war sogar noch schwächer als das vom Vortag besucht, vor allem das Mitsingen hat den Zuhörern sehr gut gefallen und auch sie waren hellauf begeistert. In Flims kamen wir dann um 22.45 Uhr an, die Isomatten hatten schon Sehnsucht nach Ihren „Aufliegern“.

Am letzten August-Tag gab es wieder ein Geburtstagskind: Max Fleischer. Beim Frühstück wurde ihm mit Kanon und kleinem Geschenk gratuliert. Das Frühstück war, wie der Name schon sagt, früh. Im Kirchgemeindehaus waren nahezu alle beschäftigt, entweder an der Frühstücksvorbereitung oder beim Packen oder beim Saubermachen. Nach dem Ständchen für Pfr. Harald Schade und dem Dank für die schönen zwei Tage in Flims fuhren wir dann nach Burghausen bei Altötting in Oberbayern. Dort mussten wir mit einer Sängerin nun, die sich am Vortag auf dem Berg das Knie schmerzhaft verletzt hat, doch zum Arzt bzw. in die Notaufnahme im Krankenhaus Burghausen. Derweil haben die anderen schon einmal den Bus entladen, die persönlichen Dinge in das an der Jakobskirche befindliche Pfarrgemeindehaus, die musikalischen Dinge in die Kirche. Dort stand die obligatorische Stellprobe an. Da wir hier uns auch selber verpflegen mussten, aber die Hühnernudelsuppe im Bus vergessen hatten, musste ein Taxi den Busfahrer zu dessen Privatquartier fahren, um den Busschlüssel zu holen, um dann mit dem Taxi zum Bus zu fahren und das begehrte Abendbrot einschließlich super-Bockwürstchen ins Pfarrheim zu bringen. Hier haben sich die Großen um das Zubereiten gekümmert, die andern haben sich schon einmal umgezogen, da bis zum frühen Konzertbeginn um 19.00 Uhr nur noch 55 Minuten uns allen blieben. In der großen, altehrwürdigen katholischen Pfarrkirche St. Jacob wirkten die ca. 30 Besucher zwar auch sehr wenig, es war aber eben doch mehr als an den beiden Vorabenden, außerdem hatte der Kirchenraum eine sehr schöne Akustik und Atmosphäre. Der Abend klang im Pfarrgemeindehaus in den vielen Räumlichkeiten individuell aus.

Der vorletzte Ort dieser Fahrt war die Stadt Eisfeld, westlich von Hildburghausen im Süden Thüringens. Wir erreichten die Kirche am frühen Nachmittag, luden kurz wie schon am Vortag aus und hatten dann in der Kirche zunächst Stellprobe. Vor dem Konzert gab es einen Imbiss im Gemeindehaus, wo der Chor auch nächtigen konnte. Die große Kirche, zurzeit noch Baustelle, strahlte beim Konzert durch die entzündeten echten Kerzen an den Bänken und die zahlreichen Zuhörer dennoch eine sehr herzliche und warme Atmosphäre aus, im Chorraum war die Akustik sehr gut, auch wenn die Distanz dadurch zu den Zuhörern sehr groß war. Leider war es durch ein unergründliches Versehen dazu gekommen, dass keiner der Zuhörer ein Programm bekommen hatte, obwohl die Kiste in der Kirche stand. Die Zuhörer waren tief beeindruckt und ließen eine geraume Zeit nach dem Schlussakkord verstreichen, ehe sie reichlich Applaus spendeten. Schnell hatten wir alle Musikalien im Bus verstaut, danach hat uns die Gemeinde zu einem weiteren reichhaltigen Buffet mit Pizza und jeder Menge Nachspeisen eingeladen und verwöhnt.

Einer sternklaren und kurzen Nacht folgte das opulente Frühstück, bevor wir auch hier einluden und uns verabschieden mussten. Nun steuerten wir den letzten Ort der Fahrt an: die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin Mitte. Die ersten zwei Stunden der Busfahrt waren wie sonst auch sehr ruhig im Bus. Doch vor Leipzig kamen wir in einen Stau, unser Autobahnabschnitt wurde gesperrt (LKW-Bergung in einer auf zwei Spuren verengten Baustelle) und wir standen zwei Stunden und 10 Minuten auf der Autobahn und konnten weder vor noch zurück. Als wir dann endlich wieder fuhren, zeigte das Navi als Ankunftszeit 18.00 Uhr an. So haben wir uns also schon im Bus während der Fahrt umgezogen und einen Notfall-Plan-B aufgestellt: Wir fahren direkt zur Kirche, nehmen nur die Notenmappen, Programme, CD, Instrumente und Kerzenständer mit. Der Bus konnte dann wegen einer Baustelle 100 Meter vor dem Ziel nicht direkt zur Kirche fahren, er parkte am Bahnhof Zoo und wir liefen den Rest zu Fuß. Es blieben noch 10 Minuten für Stellprobe, 10 Minuten für Abendimbiss inkl. Toilette und 10 Minuten für Einsingen und Sammeln/zur Ruhe kommen. Nach dem Konzert wurden noch die übriggebliebenen Brötchen samt Würstchen verzehrt, dann wanderten wir wieder mit allen Dingen zum Bus, der uns zum Gemeindehaus in der Lietzenburger Straße brachte. Dort gab es für uns auf mehreren Etagen Räume und WC, jeder fand ein Schlafplätzchen, wenn auch weniger zum Schlafen als zum gemeinsamen Verbringen des letzten Abends.

Endlich auch konnten wir am nächsten Morgen mehr als sonst ausschlafen, es ist ja auch strenggenommen der letzte Ferientag. Nach liebevoll zubereitetem Frühstück durch Chorsänger bestiegen wir um 11.00 Uhr den Bus und kamen mittags in Fürstenwalde am Dom an. Nach Ausladen und Säubern des Busses wurde zunächst einmal unserem tollen Fahrer Andreas Schanze gedankt, er hatte uns ja schließlich ohne Unfall 2182 km gefahren. Ein Imbiss und Entspannen im eigenen Chorsaal ließ die Zeit bis zum Abschlußkonzert schnell vergehen. Vor 115 Zuhörern, die sehr aufmerksam und gespannt dem Konzert lauschten, hat jeder noch einmal alle Kräfte mobilisiert und das diesjährige, ausgewogene Programm zum letzten Mal gesungen. Insgesamt haben wir wahrscheinlich über 800 Zuhörer in Gottesdienst, fünfmal Singen in Altenheimen und elf Konzerten erreicht, sind von größeren Unfällen verschont geblieben und dankbar und erfüllt von zwei Wochen, die uns bei hochsommerlichen Temperaturen doch sehr zusammengeschweißt haben.

Besonders danken wir alle dem Landkreis Oder-Spree, der Stadt Fürstenwalde und dem Kirchenkreis Oderland-Spree, die dieses Vorhaben unterstützt haben und solche Begegnung von Kindern und Jugendlichen fördern. 

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